Messerstecher vor Gericht

Mit Messerstichen endete eine freundschaftliche Umarmung - Das Urteil gab es nun

Fast tödlich endete eine freundschaftliche Begegnung in der Straßenbahn vor fünf Jahren. Der Täter stach mit dem Messer zu. Jetzt wurde er vom Landgericht Kassel verurteilt.

„Es begann mit einer freundschaftlichen Umarmung in der Straßenbahn und endete mit fast tödlichen Messerstichen in der Nacht.“ 

Mit diesen Worten fasste Richter Volker Mütze gestern das Geschehen vom 16. Februar 2014 zusammen, für das die 6. Strafkammer des Landgerichts einen 28-jährigen Griechen gerade zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt hatte.

Verteidiger Werner Momberg zeigte sich mit dieser Strafe für versuchten Totschlag sehr zufrieden, immerhin hatte Staatsanwältin Josefine Köpf acht Jahre und zehn Monate Haft gefordert.

Der Angeklagte hatte den später Geschädigten zufällig in der Straßenbahn getroffen. Beide kannten sich aus gemeinsamen Knastzeiten in Hünfeld. Man umarmte sich und beschloss, das Wiedersehen gebührend zu feiern.

Ein Messerstecher steht vor dem Landgericht Kassel 

Nachdem bereits auf der Parkbank vor dem Staatstheater kräftig gezecht worden war, verlagerte sich das Geschehen am Abend in die Wohnung des Geschädigten und seiner Freundin, wo bis drei Uhr so heftig getrunken wurde, dass alle drei schließlich weit über zwei Promille Alkohol im Blut hatten.

Die beiden Männer gerieten in Streit, der den Wohnungsinhaber dazu brachte, zur Abkühlung kurz auf die Straße zu gehen. Diese Zeit nutzte der Angeklagte, um die 30-jährige Freundin anzubaggern. Den Freund werde er töten, wenn er zurückkommt, kündigte er an.

Bei der Rückkehr gab es eine Schlägerei zwischen den Männer, in dessen Verlauf der Angeklagte ein Anglermesser zückte und es dem anderen in Seite stach. Als der zu Boden ging hockte sich der Grieche auf dessen Rücken und stach mehrfach auf den Geschädigten ein. Als ihn die Frau wegzog, stoppte er den Angriff, stahl im Hinausgehen aber noch die Geldbörse der Frau.

Dass der Angeklagte mit fünf Jahren noch recht glimpflich davon gab, führte Richter Mütze auf verschiedene Milderungsgründe zurück. Dazu zählte der große Alkohol- und Drogenkonsum, der bei dem ohnehin aggressiven Mann die Hemmschwelle weiter gesenkt und seine Steuerungsfähigkeit eingeschränkt habe.

Eine freundschaftliche Umarmung endet mit gefährlichen Verletzungen

Ein Psychiater hatte dem Mann eine krankhafte seelische Störung bescheinigt. Zudem, so Mütze, sei die Tat nicht geplant, sondern spontan nach vorangegangener Schlägerei und gegenseitigen Beleidigungen erfolgt und zum Glück nicht zu Ende gebracht worden.

Andererseits ist der Grieche bereits einschlägig vorbestraft und hatte sich von verbüßten Haftstrafen nicht sonderlich beeindruckt gezeigt.

Immerhin deutete ihm die Strafkammer einen Weg in eine bessere Zukunft: Das erste halbe Jahr der Strafe gilt wegen der Untersuchungshaft als verbüßt an. Der Angeklagte kann sofort nachdem das Urteil rechtskräftig geworden ist, in eine Entziehungsanstalt eingewiesen werde, um dort eine Therapie gegen seine Alkoholerkrankung zu beginnen. 

Sollte die erfolgreich sein, könnte der Rest der Strafe nach zwei Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden. „Ob das so kommt, liegt nun allein an Ihnen“, sagte Richter Mütze.

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