Zeigefinger nur durch Not-Operation erhalten

Messerattacke beim Streit in der Kneipe: Wirt verliert fast einen Finger

Kassel. Sportwetten. Prostitution. Milieu. Raunend fällt am Dienstag im Amtsgericht so manches Wort. Ob die Andeutungen mehr sind als Gerüchte, wird nicht ergründet. Denn formal geht es nur um den Streit um eine Gaststätte in der Holländischen Straße.

Ein Streit allerdings, der so sehr eskaliert war, dass der Besitzer der Kneipe dabei am Ende fast einen Finger verloren hätte.

Angeklagt sind zwei Männer, die sich im November 2012 mit dem heute 59 Jahre alten Gastwirt getroffen hatten, weil einer von ihnen dessen Bistro kaufen wollte. Über den geforderten Kaufpreis von 10.000 Euro kam es zum Streit. Dabei sollen die 24 und 27 Jahre alten Angeklagten Messer gezückt haben. Und der ältere soll dem Kneipier derart tief in die linke Hand geschnitten haben, dass der Zeigefinger nur dank einer Not-Operation gerettet werden konnte.

Der Fall gewinnt weitere Brisanz durch seine Verbindung zum Prozess um Mafia-Methoden in der Kasseler Wettbüroszene, der derzeit das Landgericht beschäftigt: Der 27-Jährige gehört auch dort zu den Angeklagten. Zusammen mit zwei Mittätern soll er einen Wettbürobetreiber entführt, misshandelt und erpresst haben. Und ihm als Drohung eben jenes Messer gezeigt haben, mit dem er zuvor den Gastronom verletzt habe.

„Er hat gesagt: Deinen Finger werde ich auch abschneiden“, sagt der Wettbüroinhaber. Und berichtet von Blutflecken auf der Klinge. Danach ist erst einmal Schluss mit seinem Auftritt im Zeugenstand: Zu groß ist die Uneinigkeit zwischen Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Gericht, wie viel beide Verfahren miteinander zu tun haben – und welche Fragen dem 34-Jährigen deshalb gestellt werden dürfen.

An Konflikten herrscht aber auch sonst kein Mangel. Obwohl das ganze Geschehen von einer Videokamera aufgezeichnet wurde, erzählen der Gastwirt und sein mutmaßlicher Angreifer grundverschiedene Geschichten. Beide behaupten, dass von Anfang an der andere aggressiv gewesen sei – nicht sie. Und sie beteuern, nicht gemerkt zu haben, wie es zu der schweren Verletzung kam.

„Ich habe definitiv niemandem den Finger abgeschnitten“, sagt der 27-jährige Angeklagte. Er habe die Waffe nur gezogen, weil er sich von dem Bistrobesitzer und anderen Gästen bedroht gefühlt habe.

Sein Mitangeklagter, ohnehin eher am Rande beteiligt, schweigt zu alledem. Der Prozess wird fortgesetzt. (jft)

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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