Nach Disco-Streit: Mann wegen Messerstich vor Gericht

Kassel. Zweieinhalb Jahre ist die Tat schon her, jetzt wurde sie vor dem Kasseler Landgericht verhandelt. Es ging um einen Streit in einer Discothek, in dem ein Messer im Spiel war - doch was genau passierte, konnte noch nicht geklärt werden.

Die Distanz zwischen den richterlichen Handflächen wächst und wächst. Volker Mütze, Vorsitzender der 6. Strafkammer am Landgericht, will wissen, wie groß das Messer war, das der Zeuge gesehen hat. Doch der 25-Jährige vor ihm reißt sich nicht darum, Informationen zu geben. So zeigt Mütze immer längere Messer - bis der Zeuge sich bequemt: „Das ist jetzt ein bisschen übertrieben“, sagt er. „Sonst wär’ ich ja nicht hier.“

Dass der 25-Jährige das Messer erst gesehen und dann abbekommen hat, ist schon zweieinhalb Jahre her. Ein 24-Jähriger, den er bereits seit Jahren kennt, sitzt auf der Anklagebank. Er muss sich wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Dass er im Oktober 2009 zugestochen hat - mit „einem kleinen Messer aus der Küche“ - gibt der 24-Jährige am Mittwoch zu. Aber er bettet den Stich in die Geschichte einer Nacht voller Streit und Schläge ein: In einer Disco am Rande der Kasseler Innenstadt sei er auf den Geschädigten und andere Bekannte getroffen, eine halbe Flasche Whiskey intus. In der Disco habe er weiter getrunken und sei dann mit dem 25-Jährigen über eine Flasche Wodka in Streit geraten. Dann sei er selbst von mehreren Leuten zusammengeschlagen und -getreten worden.

„Ich war sehr aufgebracht“, sagt der Angeklagte. Er habe sich nach Hause begeben - damals am Brückenhof - und dann zur Wohnung des Geschädigten am Mattenberg. Als der 25-Jährige erschien, habe er ihm das Messer gezeigt: „Damit er mich nicht angreift.“ Er habe aber sofort einen Schlag mit einem Schlagring abbekommen und sei kurz „weg“ gewesen. Zugestochen habe er dann rückwärts über seine Schulter, beteuert der 24-Jährige - als der andere ihn auf den Hinterkopf geschlagen habe.

Der Geschädigte will von solchen Schlägen nichts wissen. Dafür von einem Anruf, in dem der Angeklagte ihm gedroht habe, er werde „nicht bis morgen überleben“. Das sei auch der Grund dafür gewesen, dass er auf dem Weg von der Tram nach Hause den Schlagring aus seinem Auto geholt habe. Dass er verletzt war, habe er nicht sofort gemerkt, gibt der 25-Jährige an. Doch bald saß er im Rettungswagen, den ein Freund gerufen hatte. Eine Ärztin im Roten-Kreuz-Krankenhaus sondierte eine sechs Zentimeter lange Stichwunde und klärte ab, dass keine Organe verletzt wurden. Auch eine Schnittwunde am Arm wurde gefunden.

Festnahme in Klinik

Im gleichen Krankenhaus traf auch der Angeklagte ein. Ihm wurde diverse Prellungen, eine Platzwunde im Gesicht und eine Nasenbeinfraktur diagnostiziert. Auch die Polizei fand ihn in der Klinik. Er habe seine Hände für die Handschellen vor sich gehalten und gesagt: „Ich war das“, sagt der junge Mann.

Der Prozess wird am 29. März fortgesetzt.

Von Katja Schmidt

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