Messie-Syndrom: Immer mehr vermüllte Wohnungen in Kassel

Kassel. Das Gesundheitsamt Region Kassel schlägt Alarm: Die Haushalte, die aufgrund von Vermüllung und Verwahrlosung Unterstützung benötigen, nehmen zu.

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Messies sind sozial isoliert

Immer öfter muss das Ordnungsamt dem Infektionsschutzgesetz entsprechend wegen akuter Gesundheitsgefährdung eingreifen.

Allein in Kassel hat sich die Zahl der Einsätze zu Wohnungssäuberungen in den vergangenen fünf Jahren vervierfacht.

„Hochgerechnet gehen wir davon aus, dass wir in diesem Jahr 20 vermüllte Wohnungen komplett räumen müssen“, sagt Lothar Pflüger vom städtischen Ordnungsamt. Es handelt sich meistens um Wohnungen von sogenannten Messies. Das sind Menschen, die an dem Syndrom leiden, zwanghaft horten zu müssen.

Etwa 40 mal im Jahr wird das Gesundheitsamt von Nachbarn, Pflegepersonal, Betreuern, der Polizei oder vom Schornsteinfeger auf eine Messie-Wohnung aufmerksam gemacht. Dr. Markus Schimmelpfennig, stellvertretender Leiter des Gesundheitsamts Region Kassel, spricht von einem „wachsenden Problem“. Er schalte zunächst den sozialpsychiatrischen Dienst ein.

„Bei den am Messie-Syndrom-Erkrankten handelt es sich oft um alleinstehende, sozial isolierte Menschen“, sagt Schimmelpfennig. Die Dunkelziffer sei deshalb hoch. Wenn keine Hygiene mehr möglich ist, sich die Messie-Behausung als unbewohnbar und gesundheitsgefährdend herausstellt, ist das Ordnungsamt gefragt.

Meistens befinden sich in solchen Wohnungen Essensreste, Urin und Exkremente im Wohnbereich. Nicht selten finden Pflügers Außendienstmitarbeiter Hinweise auf Ratten und andere Schädlinge. Dann beauftragt das Ordnungsamt eine Entrümpelungsfirma und den Kammerjäger.

„Den Bewohnern ist meistens nicht bewusst, was sie falsch machen“, sagt Pflüger. Vielmehr empfänden sie es als Bedrohung, wenn ihnen das Gehortete genommen wird.

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