Abgeordneter strebt Position des IG-Metall-Kassierers an

Ullrich Meßmer: Es bleibt beim Doppelposten

Der Mann mit dem Schal: „Wenn die Partei mich fragt, trete ich 2013 gern noch einmal zur Bundestagswahl an“, sagt Ullrich Meßmer. Die SPD vertritt der 57-Jährige im Verteidigungsausschuss und im Ausschuss für Menschenrechte.

Kassel/Calden. Für Außenstehende kommt der Rückzug Ullrich Meßmers von der Spitze der IG Metall überraschend. Der SPD-Bundestagsabgeordnete selbst sagt, der Wechsel an der Spitze der Nordhessen-Gewerkschaft werde seit Monaten vorbereitet und sei in den Gremien bekannt.

An der Spitze der IG Metall werde er seit Längerem unter anderem von seinem designierten Nachfolger Oliver Dietzel unterstützt, „jetzt passen wir lediglich die Funktionen im Vorstand der Arbeitsweise an“.

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Der 57-Jährige, der in der Öffentlichkeit oft einen knallroten Schal trägt, hatte nach dem Gewinn des Direktmandates (37,8 Prozent) seine Arbeitszeit und damit auch sein Einkommen bei der Gewerkschaft reduziert. Kritikern seiner Doppelfunktion in Berlin und Kassel war er stets so kämpferisch entgegengetreten, wie man ihn bereits als Gewerkschafter kannte. In einem Interview mit unserer Zeitung hatte er im März 2010 gesagt, er erfülle alle Verpflichtungen gegenüber Wahlkreis und Gewerkschaft. Sein Arbeitstag habe 15 Stunden, Arbeiten für die IG Metall erledige er beispielsweise in den Abend- und Nachtstunden.

Mehr zu Ulrich Meßmer im Regiowiki.

In der SPD hatte die Doppelfunktion aber auch zu Unruhe geführt: Der Geschäftsführer des Unterbezirks Schwalm-Eder hatte mit Blick auf Meßmer gefordert, dass die Bundestagsabgeordneten der Partei keine bezahlten Nebentätigkeiten ausüben dürfen und war dafür abgemahnt worden. Das Kasseler Arbeitsgericht hatte entschieden, dass diese Abmahnung zurückgenommen werden muss. Dem Vernehmen nach war auch in der IG Metall Kritik an Meßmer laut geworden, da er sich nicht in dem von früher gewohnten Umfang um die Betriebe in der Region kümmern konnte.

Weiter hauptamtlich

Das Einkommen für seine Nebentätigkeit bei der IG Metall hatte Meßmer in der Staffelung des Bundestages mit „über 10 000 Euro jährlich“ angegeben. Als Abgeordneter erhält er 7668 Euro monatlich. Sollte er zum Kassierer der IG Metall Nordhessen gewählt werden, wäre er immer noch hauptamtlich für die Gewerkschaft tätig, allerdings in einer niedrigeren Einkommensklasse. Er reduziere auch seine Arbeitszeit für die Gewerkschaft.

In Meßmers politischer Heimat Calden und dem Landkreis Kassel gibt es keine Kritik an der Doppelbelastung durch Gewerkschaft und Bundestagsmandat. Brigitte Hofmeyer, SPD-Unterbezirksvorsitzende, sagt, es sei erstaunlich, wie viele Termine Meßmer in seinem Wahlkreis wahrnehme. Ähnlich äußert sich Edith Könemann, stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende in Calden. Trotz der enormen Belastungen durch Gewerkschaft und Bundestag nehme Meßmer immer noch häufig an Fraktionssitzungen und Klausurtagungen teil, von einer Überlastung sei nichts zu spüren gewesen. (hai/kil)

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