Branche erstaunlich robust

Metall- und Elektro-Industrie in Nordhessen trotzt Krisen

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Kassel. Die wirtschaftlichen und politischen Krisen dieser Welt haben bei der Metall- udn Elektro-Industrie bislang keine Spuren hinterlassen. Es läuft nach wie vor sehr gut.

Die nordhessische Metall- und Elektro-Industrie (M+E) präsentiert sich in einer sehr robusten Verfassung auf hohem Niveau. Das ist das Ergebnis der jüngsten Herbstumfrage des Arbeitgeberverbandes Hessen-Metall. Es ist angesichts der politischen Unsicherheiten in der EU und der geopolitischen Verwerfungen rund um den Globus umso erstaunlicher, da der wichtigste Industriezweig in der Region 44 Prozent seiner Produkte exportiert.

Tatsächlich liegt dieser Anteil sogar noch deutlich höher, wie Vorstandsmitglied Karsten Stückrath, Geschäftsführer des Kasseler Anlagenbauers Arvos Schmidtsche Schack, ausführte. Zulieferer verkaufen oft an Dritte im Inland, deren Endprodukte ins Ausland gehen. Das wird in der Exportbilanz nicht ausgewiesen.

An der Befragung hat gut die Hälfte der 141 M+E-Mitgliedsbetriebe teilgenommen, die zusammen mehr als 19 000 Menschen beschäftigten (siehe Hintergrund).

Gleichwohl stellt der Vorsitzende des Verbandes und Chef des Immenhausener Anlagenbauers Sera, Carsten Rahier, eine gewisse Investitionszurückhaltung fest. „Obwohl Geld so billig ist wie nie, sind die Unternehmen vorsichtiger geworden“, sagte er. Grund seien eben politische Unsicherheiten, so Rahier auch mit Blick auf den künftigen US-Präsidenten sowie die Wahlen in Frankreich, den Niederlanden und in Deutschland im nächsten Jahr.

Blick in die Zukunft

Die aktuelle Geschäftslage bezeichnet die Hälfte der befragten Betriebe als gut oder sehr gut. Damit liegt dieser Wert auf Vorjahresniveau. 21 Prozent gehen für die kommenden sechs Monate von einer deutlich besseren Situation aus – gegenüber der Herbstumfrage 2015 nahezu eine Verdoppelung. Der Blick in die nahe Zukunft ist viel mehr als eine Prognose, denn die meisten Aufträge stehen bereits in den Büchern.

Umsatzerwartung

Analog zur Geschäftsentwicklung rechnen 24 Prozent der Unternehmen mit steigenden Umsätzen. 2015 taten dies nur 19 Prozent. 85 (Vorjahr: 77) erwarten gleichbleibende oder steigende Gewinne. Von der insgesamt guten Auftragslage profitiert auch die Beschäftigung. Der Umfrage zufolge dürfte sie auf dem aktuell hohen Niveau verharren.

Investitionen

Dagegen sind die Investitionsprognosen gedämpft: Zwar gaben 80 (86) Prozent der Unternehmen an, vergleichbar viel oder mehr investieren zu wollen, aber 20 Prozent wollen in den kommenden Monaten weniger Geld in die Hand nehmen. Im Vorjahr waren es nur 14 Prozent. Schwerpunkte sind neben der Ersatzbeschaffung und Rationalisierung auch Qualifizierungsmaßnahmen für Mitarbeiter. Für Rahier ist dies ein klares Indiz für die fortschreitende Digitalisierung der Industrie.

Auslandsinvestitionen

Dass sich der Auslandsanteil am Investitionsvolumen gegenüber dem Vorjahr auf 25 Prozent mehr als verdreieinhalbfacht hat, bezeichnet Stückrath als „alarmierend“. Einen Grund dafür sieht er in den vergleichsweisen hohen Lohnabschlüssen der jüngsten Vergangenheit hierzulande.

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