Kundgebungen an zwei Standorten

Gewerkschaft erhöht Druck: 900 Metaller im Warnstreik

Eine Stunde lang ging nichts voran im Industriepark Mittelfeld: Beschäftigte von Bombardier, Rheinmetall und vier weiteren Firmen zogen für eine Streikkundgebung vors Werkstor an die Holländische Straße. Foto:  Zgoll

Kassel. Für ihre Forderungen in der laufenden Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie ließen Metallgewerkschafter auch am Freitag in Kassel die Muskeln spielen.

An zwei Warnstreikkundgebungen beteiligten sich nach Angaben der IG Metall 900 Beschäftigte, die jeweils für eine Stunde die Arbeit ruhen ließen.

Etwa ein Drittel der Warnstreikenden war am Morgen aus den Werksteilen des Rüstungsproduzenten Krauss-Maffei Wegmann (KMW) gekommen und versammelte sich vor der Hauptzufahrt an der Mombachbrücke im Verlauf der Wolfhager Straße. Unter Beifall verteidigte die Betriebsratsvorsitzende des Unternehmens, Christa Haidu, die Gewerkschaftsforderung nach 5,5 Prozent mehr Geld: Von den Unternehmensgewinnen „wollen wir jetzt einen fairen Anteil“, forderte sie.

Kurze Zeit später begann vor dem Haupttor des Industriegeländes Mittelfeld eine zweite, doppelt so große Kundgebung mit Beschäftigten von Bombardier, Rheinmetall, RGM Expersite, Zeppelin Reimelt, Henschel IT und Henschel Antriebstechnik.

Dabei standen vor allem die weiteren Forderungen im Blickpunkt, für die sich die IG Metall in dieser Tarifrunde stark macht: eine verbesserte Altersteilzeit sowie die Forderung, einen Anspruch auf geförderte Weiterbildung einzuführen. Dabei sollen die Arbeitgeber einen tarifvertraglich festgelegten Beitrag zahlen, der es den Mitarbeitern ermöglichen soll, während einer Weiterbildung kürzer zu arbeiten. Diese „Bildungsteilzeit“ wird von den Arbeitgebern bisher strikt abgelehnt und gilt als ein Hauptstreitpunkt bei den Tarifgesprächen.

Weiterbildung sei in vielen Betrieben zwar gewollt, werde in der Praxis aber kaum ermöglicht, kritisierte Rheinmetall-Jugendvertreter Björn Heise am Mikrofon auf dem Kundgebungswagen, der auf der Holländischen Straße stand. Autofahrer mit Fahrtziel Innenstadt mussten deshalb für die Dauer der Kundgebung eine Umleitung fahren, Polizeibeamte regelten für eine Stunde den Verkehr.

Warnstreik der IG Metall am Werk Mittelfeld

Die Tarifverhandlung hat in bisher zwei Runden keine Annäherung gebracht. Die Arbeitgeber haben 2,2 Prozent mehr Geld ab März angeboten sowie eine Altersteilzeitregelung, die jährlich nur noch von zwei statt bislang von vier Prozent der Belegschaft in Anspruch genommen werden könnte.

Dies kritisierte Harald Töpfer, Betriebsratsvorsitzender bei Rheinmetall MAN Militäry Vehicles, scharf: Die Arbeitgeber wollten „nach Gutsherrenart“ entscheiden, wer in Altersteilzeit gehen dürfe. „Das machen wir nicht mit“, rief er unter Applaus: „Wir wollen gesund in Rente gehen können.“

Von Axel Schwarz

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