Kasseler Bundespolizei: Fälle an DB-Anlagen haben sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt

Metallklau: Diebe haben Bahn im Visier

Kassel. Metallklau und kein Ende: Auch in diesem Sommer verzeichnet die Polizei in Kassel Metalldiebstähle auf hohem Niveau. Auf Bahnanlagen gibt es sogar einen deutlichen Anstieg. Hier haben sich die Fälle innerhalb eines Jahres auf 54 mehr als verdoppelt.

Erst vor kurzem ging der Kasseler Bundespolizei ein Kabeldieb ins Netz. Er hatte es auf Bahneigentum abgesehen. Bei einem Streifengang bemerkten Beamte gegen 5.45 Uhr einen verdächtigen Mann: Ein 40-jähriger Bulgare hatte sich entlang der Bahnstrecke im Bereich Tannenwaldbrücke an mehreren Masten zu schaffen gemacht. Dort hatte er Kabel der Steuerungstechnik von sogenannten Masttrennschaltern gekappt und einen Sachschaden in Höhe von 1300 Euro angerichtet.

Die Drähte hatte der Dieb bereits in kleine Stücke zerteilt und die 40 Kilogramm schwere Beute in einer Sporttasche verstaut. Mit einem Fahrrad wollte er das Gelände verlassen. Für die Bundesbahnpolizisten kein ungewöhnlicher Fall: Sie sind auch für die Bekämpfung von Metalldiebstahl auf Bahnanlagen zuständig. Im Vergleich zur ersten Hälfte des Vorjahres sind diese Diebstähle deutlich angestiegen. Im Zuständigkeitsbereich der Bundespolizeiinspektion Kassel (Nord-, Ost- und Mittelhessen) wurden in diesem Jahr bis jetzt 54 Fälle registriert. Damit hat sich deren Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 31 Fälle mehr als verdoppelt.

Die Ursache hierfür liege in der sprunghaft gestiegenen Nachfrage nach Metallen auf dem internationalen Rohstoffmarkt und der damit verbundenen Preissteigerung für diese Materialien, sagt Bundespolizei-Sprecher Klaus Arend. Matthias Hartmann, Geschäftsführer der Kasseler Entsorgungs- und Recyclingfirma Trillhof, bestätigt die Entwicklung. Nach der Finanzkrise seien die Börsennotierungen und damit die Preise für Metall Ende 2008 raketenhaft angestiegen. Der Preis für Kupfer sei 2011 auf die Rekordhöhe von 10 000 Dollar für eine Tonne Kupfererz gestiegen. Eisenerz erziele zurzeit um die 250 Euro pro Tonne.

Einen Grund für den Hunger nach Metall, insbesondere nach Kupfer, sieht Hartmann in der fortschreitenden Elektrifizierung von Städten in China und anderen Schwellenländern. Für die Recyclingfirmen vor Ort bedeutet der Trend zum Metallklau erhöhte Wachsamkeit. Zum einen müssten die eigenen Lager gut bewacht werden, außerdem werde beim Ankauf von Altmetall verstärkt auf mögliche Hehlerware geachtet. Doch die werde vor allem im Ausland an den Mann gebracht. Foto: nh

Von Christina Hein

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