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Meteorologie als Hobby? Lokale Wetter-Informationen werden immer wichtiger

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Von: Jan Trieselmann

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Regenfront über Wolfhagen bei Kassel
Spektakuläre Wetterphänomene wie diese aufziehende Regenfront über Wolfhagen bei Kassel haben für Menschen etwas Faszinierendes an sich – auch, wenn viele Wetterausprägungen gefährlich werden können. © Alexander Cordes/nh

Das Wetter ist ein Dauerbrenner-Thema. In unserer Serie „Donnerwetter“ betrachten wir das nordhessische Wetter von verschiedenen Seiten. Diesmal geht‘s um lokale Wetter-Informationen.

Kassel – Es gilt als das Gesprächsthema schlechthin: das Wetter. Doch heutzutage ist es für viele Menschen weit mehr. Es ist zu einem nicht ungewöhnlichen Hobby geworden, Wetterentwicklungen zu beobachten. Das zeigt sich beispielsweise an angebotenen Wetterstationen im Supermarkt.

Jeder Interessierte kann mit solch einfachen Mitteln mittlerweile selbst ein kleiner Hobby-Meteorologe werden. Doch seit wann und wodurch ist dieses Interesse am Wetter gestiegen?

Mit Mensch-Umwelt-Beziehungen und in diesem Zusammenhang der Rolle von Technik beschäftigt sich das Center for Environmental Systems Research (CESR) der Universität Kassel laut seiner Webseite. Untersuchungen dazu, seit wann oder ob sich das Wetter überhaupt als Hobby etabliert, sind dort zwar nicht bekannt.

„Allerdings gibt es doch mehrere Gründe, die dafür sprechen, warum das so sein könnte“, sagt Prof. Dr. Andreas Ernst, Stellvertretender Geschäftsführender Direktor des CESR.

Medienpräsenz: Wetterausprägungen wie Starkregen, Tornados, Brände und Hitzewellen eignen sich für Medien hervorragend dazu, Interesse und auch Emotionen zu wecken, sagt Ernst. Da diese Themen die Menschen emotionalisieren, berichten Medien ausführlich darüber.

Das erscheint logisch: Unter anderem von den dramatischen Überschwemmungen in Nordrhein-Westfalen und auch Rheinland-Pfalz im Juli war im Fernsehen, beispielsweise den Sendern ZDF beziehungsweise SWR, viel zu sehen. Gleiches gilt für die Brände im Amazonas-Regenwald oder jüngst auch in Kanada, Italien, der Türkei und Griechenland. Ausdrucksstarke Fotos und Videos kursierten ebenfalls in Zeitungen und deren Internet-Seiten.

Da Forscher davon ausgehen, dass mit solchem Extremwetter aufgrund des Klimawandels künftig öfter zu rechnen ist – wie es zum Beispiel in Artikeln des Redaktionsnetzwerks Deutschland und Bayrischen Rundfunks zu lesen ist – dürften Berichte darüber immer mehr Menschen auf den Klimawandel aufmerksam machen und das Bedürfnis nach Informationen wecken. Außerdem verdeutlichen zum Beispiel die Überflutungen hierzulande, wie wichtig es ist, über das Wetter informiert und damit im Ernstfall darüber gewarnt zu sein.

Klimaerwärmung: „Auch dem Letzten wird langsam klar, dass es keinen Weg an der Klimaerwärmung vorbei gibt“, sagt Ernst. Zwar sei das Verhältnis von Wetter und Klima komplex (Hintergrund). „Aber es mag die Vorstellung geben, mit einer engmaschigeren Beobachtung von Wetter näher am Puls der Zeit zu sein.“

Wetter-Apps: Um jederzeit und überall bestmöglich das Wetter beobachten zu können und darüber informiert zu sein, helfen vor allem Apps auf dem Smartphone. „Durch Wetter-Apps haben wir heute einen deutlich fundierteren und für jedermann möglichen Zugang zu Wetter als früher“, sagt Ernst. Diese bereiten seiner Ansicht nach „zum Teil hervorragend wissenschaftliche Daten zum Wetter kartografisch auf.“

Früher hingegen sei das Tagesschau-Wetter der einzige Laien-Zugang zu dem Thema gewesen. „Dazu ist die kostenlose Verfügbarkeit von Echtzeit-Wetter wie beim Regenradar eine nützliche Sache“, sagt Ernst. Auch das trage daher dazu bei, dass Menschen Wetterinformationen immer häufiger konsumieren – und das gelte dabei nicht nur für Fahrradfahrer beim Planen einer Tour.

Internet-Seiten: Hinzu kommen laut Ernst Webseiten zu diesem Thema, auf denen sich jeder kostenlos und schnell informieren kann. „Sie machen aus Wetter ein Event. Von der Bauernregel bis zum Jetstream wird uns alles kurzweilig und am Beispiel nahegebracht“, sagt er. Dass das Angebot mittlerweile sehr vielfältig sei, rege umso mehr zum Mitmachen an.

Spektakuläre Optik: Darüber hinaus sehen Himmelsphänomene jeglicher Art schlichtweg spektakulär aus – egal, ob es sich dabei um Gewitter, Tornados oder einfache Wolkenformationen handelt: Sie sind gewaltige Erscheinungen am Himmel und faszinieren Menschen auf der ganzen Welt.

Darüber hinaus könnte ein wichtiger Faktor sein, dass diese Wetterphänomene nicht auf den ersten Blick sichtbar von Menschen gemacht sind und dadurch etwas Unkontrollierbares an sich haben. Viele Wetterausprägungen können aber gefährliche Folgen für Menschen haben, wie Überflutungen unter anderem im Kreis Kassel Ende Juni zeigten.
Umso wichtiger ist es geworden, über das Wetter nicht nur allgemein, sondern auch lokal informiert zu sein. Gerade auch wegen des Klimawandels wird das in Zukunft noch wichtiger werden, wenn er weitere Wetterextreme mit sich bringt.

Wetter und Klima sind nicht das Gleiche

Bei den Begriffen Wetter und Klima kann es vorkommen, dass sie leicht verwechselt oder nicht klar voneinander unterschieden werden, obwohl sie nicht das Gleiche bedeuten.

Zwar wird das Klima laut Deutschem Wetterdienst (DWD) „durch die gleichen Elemente beschrieben wie das Wetter“, wie der DWD auf seiner Webseite mitteilt. Das seien beispielsweise Temperatur, Niederschlag, Wind, Feuchte und Strahlung. Wetter ist aber „der physikalische Zustand der Atmosphäre an einem bestimmten Zeitpunkt oder in einem auch kürzeren Zeitraum an einem bestimmten Ort oder in einem Gebiet.“

Das Klima wiederum sei „die Zusammenfassung der Wettererscheinungen.“ Es verdeutliche sich durch „die statistischen Gesamteigenschaften (Mittelwerte, Extremwerte, Häufigkeiten, Andauerwerte, unter anderem) über einen genügend langen Zeitraum.“ Für diesen gebe es in der Regel einen Richtwert von 30 Jahren, der aber auch kürzer ausfallen könne.

Quelle und weitere Informationen auf www.dwd.de 

Dies ist die erste Folge der Wetter-Serie „Donnerwetter“. In der zweiten Folge unserer fünfteiligen Serie stellen wir zwei Geschwister aus Baunatal vor, die dem Deutschen Wetterdienst Daten über lokale Auswirkungen von Gewittern liefern. Alle Folgen in der Übersicht:

Unser Autor

Jan Trieselmann (23) wurde 1998 im nordhessischen Helmarshausen geboren und lebt seitdem im Landkreis Kassel. Wetterbeobachtung gehört neben Motorsport und Kochen zu seinen vielen Interessen. Seit 2020 ist er Volontär bei unserer Zeitung.

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