Auf dem Gelände von Kasselwasser

41 Meter hoher Turm aus Stahlbeton entsteht in acht Tagen

+
Wie David und Goliath: Am Ende wird der Treppenturm (vorn) neben dem neuen, eiförmigen Faulturm 41 Meter hoch und damit nur einen Meter kleiner sein.

Kassel. Hier muss jeder Handgriff sitzen. Neben dem neuen Faulturm auf dem Gelände des städtischen Entwässerungsbetriebs Kasselwasser an der Gartenstraße in Wolfsanger wächst seit wenigen Tagen ein quadratischer Treppenturm aus Stahlbeton empor.

Mitarbeiter einer Spezialfirma aus Österreich sind rund um die Uhr auf der Baustelle im Einsatz. Sie sorgen nach einem ausgeklügelten Plan dafür, dass die Wände des Turms neben dem Riesen-Ei im Eiltempo nach oben wachsen – kontinuierlich und ohne störende Ansätze.

In drei Schichten arbeiten die Männer an dem Bauwerk, das am Ende 41 Meter hoch und damit einen Meter niedriger als der Faulturm sein wird. Der Treppenturm, in dem später auch ein Fahrstuhl installiert wird, wächst pro Stunde um 20 bis 25 Zentimeter. Eine Hydraulikpresse hebt die Arbeitsplattform samt Bauarbeitern, Stromkasten, Lampen, Material und Freiluftspind auf Knopfdruck nach oben.

Fotos: Der Treppenturm entsteht in acht Tagen

41 Meter hoher Turm entsteht in acht Tagen

Es gibt eine Art Regieanweisung, nach der gebaut wird. Damit die Arbeiten nicht ins Stocken geraten, müssen immer genügend Arbeiter auf der Baustelle sein. Ansonsten würden sich unschöne Nähte bilden, wo alter und frischer Beton aufeinandertreffen.

Bis zu zehn Männer arbeiten auf der sogenannten Gleitbühne, die gerade mal 55 Quadratmeter groß ist. Das Material lagert genau gekennzeichnet auf dem Gelände an der Fulda, damit es rechtzeitig zur Verfügung steht. Der Beton muss rund um die Uhr angeliefert werden. Zwei 40 und 50 Meter hohe Kräne drehen sich über der Baustelle.

Baustart in der Nacht

Montagnacht um zwei Uhr haben die Arbeiten begonnen, am kommenden Montag soll der Treppenturm nach acht Tagen Bauzeit fertig sein. Eine Brücke wird ihn mit dem Faulturm verbinden, in dem aus Klärschlamm Methangas erzeugt wird.

Auch nachts am Werk: Mitarbeiter der Spezialfirma Bitschnau bauen den Turm.

„Das sieht abends wunderschön aus, als ob da ein Ufo schweben würde“, schwärmt Projekt- und Bauleiter Harald Jordan von Kasselwasser von der Baustelle. Die im sogenannten Gleitschalverfahren hergestellten 30 Zentimeter dicken Wände des Treppenturms sähen nicht nur ansprechender aus, sie seien auch widerstandsfähiger, sagt der Bauingenieur. So könne Wasser nicht so leicht in die glatten und ansatzlosen Wände eindringen.

Wegen der kurzen Bauzeit sei diese Bauweise auch nicht teurer. Auch der Treppenturm des alten Faulturms neben dem Neubau ist bereits in Gleitbauweise errichtet worden. Dies war laut Jordan auch der Grund, warum sich Kasselwasser erneut dafür entschieden hat: Die Türme sollten gleich aussehen.

Elf Mio. Euro hat Kasselwasser laut Jordan für den kompletten Faulturm veranschlagt, 300.000 Euro entfallen auf den Treppenbau. Der Neubau ist nach seinen Angaben nötig geworden, weil zwei ältere Faultürme aus dem Betrieb genommen werden. Ende 2014 soll die neue Anlage einschließlich Elektrotechnik und Maschinen fertig sein. Der Stahlbetonbau des Faulturms wird voraussichtlich Mitte August abgeschlossen.

Von Ellen Schwab

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.