Eine von 19 Kammern in Deutschland

Wie 50 Meter unter Wasser: So wird die Druckkammer in Kassel genutzt

Überstanden: Die Berufstaucher Ulf Lucas und Lars Andrä (von links), Notarzt Florian Wickel, Lehrtaucher Stephan Strube, Berufstaucherin Stefanie Thiele sowie die angehenden Taucher Philipp Heinzel und David Schultheis nach dem Druckkammer-„Tauchgang“ in 50 Meter Tiefe. Fotos: Konrad

Kassel. In Kassel steht eine von 19 Kammern in Deutschland. Auch die Berufsfeuerwehr nutzt sie für die Taucher-Ausbildung.

Seit 1995 gibt es in Kassel eine Druckkammer. Genutzt wird die 20 Tonnen schwere Kammer im HBO-Zentrum (HBO = Hyperbare Sauerstofftherapie) an der Kurfürstenstraße regelmäßig von Tauchern der Berufsfeuerwehr Kassel. Am Anfang ihrer Ausbildung absolvieren sie einen halbstündigen Aufenthalt darin. Simuliert wird eine Tauchtiefe von 50 Metern, fünf bar Überdruck wirkt auf die angehenden Taucher ein. „Taucht man im Schwimmbad zwei Meter ab, herrscht ein Druck von 0,2 bar, bei vier Metern 0,4 bar“, erklärt Claus Eßmann, Geschäftsführer des Druckkammerzentrums.

In 50 Metern Tiefe reagiert der Körper anders, die Feinmotorik lässt beispielsweise nach. „Es besteht die Gefahr, dass die Taucher ihre Reaktion falsch einschätzen“, sagt Lehrtaucher Frank Langer von der Berufsfeuerwehr Kassel. Bei der Rettung eines Menschen kann das fatal sein. Deshalb müssen die Taucher wissen, wie ihr Körper in größeren Tiefen reagiert. Außerdem müssen sie ständig den Druck ausgleichen, sich die Nase zuhalten und dann gegenpusten. „Manche werden ohnmächtig, wenn sie dabei zu hektisch werden und sich überanstrengen“, sagt Notarzt Florian Wickel, der die Taucher begleitet. Andere verlören die Nerven und hyperventilierten. Um solche Gefahren müssen die Taucher wissen und damit umgehen können. Das ist Sinn und Zweck der Übung.

36 einsatzbereite Taucher hat die Berufsfeuerwehr Kassel, mindestens vier sind immer 24 Stunden einsatzbereit. Neben der Rettung von Menschen gehört auch das Bergen von Gegenständen wie Diebesgut zu ihren Aufgaben.

Alles im Blick: Thomas Schmidt (vorn) und Sven Hildebrand von der Berufsfeuerwehr Kassel überwachen den „Tauchgang“ in der Druckkammer.

Philipp Heinzel und David Schultheis absolvieren gerade ihre sechswöchige Ausbildung zum Berufstaucher und haben den Druckkammertest bestanden. „Es fühlt sich an, als ob man schwebt, wie eine Art Rausch.“ So beschreibt Heinzel das Gefühl in 50 Metern Tiefe. „Die Bewegungen fallen schwerer“, sagt Schultheis. In 50 Metern Tiefe mussten die beiden beispielsweise einen Modellsatz aus einem Überraschungsei zusammenbauen. Geschafft haben sie es nicht. Das ist laut Lehrtaucher Langer nicht ungewöhnlich. „Die meisten schaffen das nicht“, sagt er. Es soll verdeutlichen, wie sehr die Feinmotorik nachlässt.

Notarzt ist dabei 

Begleitet werden die Tauchlehrlinge in der Druckkammer von Lehrtauchern, einem Notarzt und auch von bereits ausgebildeten Berufstauchern. Zehn Tauchgänge in größeren Tiefen müssen die Taucher pro Jahr absolvieren, eine Druckkammerphase wird als ein Tauchgang gewertet. Da Gewässer ab 30 Meter Tiefe in der Region aber eher selten sind, nutzen viele Berufstaucher dafür die Druckkammer.

Nur an der Staumauer des Edersees beispielsweise werden laut Claus Eßmann in der Region annähernd 50 Meter Wassertiefe erreicht.

Regelung für Behandlung gefordert:

Bisher erhalten nur wenige Patienten eine kostenintensive Sauerstofftherapie unter Überdruck. Zudem seien die von den Krankenkassen bezahlten Pauschalen für eine Therapie in Druckkammern, die an Kliniken angegliedert sind, laut dem Verband Deutscher Druckkammerzentren viel zu niedrig. Arbeiten Kliniken mit privaten Druckkammerzentren wie in Kassel zusammen, kann es sogar passieren, dass Kliniken und Druckkammer-Zentren auf den Therapiekosten sitzen bleiben. Der Verband fordert deshalb seit Jahren eine staatliche Regelung für eine gesicherte Finanzierung in der Druckkammer-Notfallversorgung.

Von Mirko Konrad

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