Neuer Immobilienpreisspiegel vorgestellt

Seit zehn Jahren: Mieten in Kassel erstmals wieder gesunken

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Kaufpreise verdoppelt: Wer vor zehn Jahren in Kassel ein Haus oder eine Wohnung erworben hat, der hat ein gutes Geschäft gemacht. Unser Foto zeigt den Bereich Friedrich-Ebert-Straße.

Die Mieten in Kassel sind seit zehn Jahren erstmals wieder gesunken. Bei den Kaufpreisen für Häuser und Wohnungen zeigt sich ein anderer Trend.

  • In Kassel sind die Mieten seit zehn Jahren erstmals wieder gesunken.
  • Die Nachfrage nach kleinen und bezahlbaren Wohnungen sei besonders hoch.
  • Das geht aus dem aktuellen Preisspiegel des Immobilienverbandes Deutschlands (IVD) hervor.

Erstmals seit zehn Jahren sind die Mietpreise in Kassel 2019 gesunken. Dies geht aus dem aktuellen Preisspiegel des Immobilienverbandes Deutschland (IVD) hervor. Die Kaufpreise für Häuser und Wohnungen sind aber weiterhin gestiegen.

Wir stellen die wichtigsten Ergebnisse des Immobilienpreisspiegels vor. Dieser basiert auf den Daten von 70 Maklern des IVD Nordhessen und beinhaltet die von diesen 2019 neu vermieteten und verkauften Objekte.

Zehn Jahre lang waren die Mieten in Kassel immer weiter gestiegen. Dieser Trend scheint gestoppt. Vergangenes Jahr sind die Mieten im Schnitt um zwei Prozent gesunken. Für neu vermietete Wohnungen mit mittlerer Ausstattung und in guter Wohnlage wurden im Durchschnitt 7,20 Euro pro Quadratmeter verlangt.

„Weil gleichzeitig Wasser und Strom teurer werden, können die Mieter nicht mit einer Entlastung rechnen“, sagt Siegfried Putz, Sprecher des IVD Nordhessen. Auch die geplante Grundsteuerreform werde sich auf die Nebenkosten auswirken.

Nach einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung wenden die Kasseler 31,5 Prozent ihres Nettoeinkommens für die Bruttokaltmiete auf.

Kassel: Die Nachfrage nach bezahlbaren Mieten ist besonders hoch 

Besonders hoch sei die Nachfrage nach kleinen und bezahlbaren Wohnungen. Die 3000 neuen Wohnungen, die aktuell in Kassel geplant seien, würden dringend benötigt. Bis diese gebaut seien, werde es aber noch vier bis fünf Jahre dauern.

„Bei allen Bauprojekten, auf die die Stadt Einfluss hat, setzen wir uns für eine 25-prozentige Sozialquote ein“, sagte Hauptamtsleiter Manfred Merz, der bei der Vorstellung des IVD-Preisspiegels anwesend war. Wegen der hohen Baupreise seien selbst Sozialwohnungen aber nicht für weniger als sieben Euro vermietbar.

Während günstiger Wohnraum knapp sei, werde es schwieriger, sehr gut ausgestattete Wohnungen zu vermieten. Wohnungen für elf oder zwölf Euro pro Quadratmeter würden häufig ein halbes Jahr lang angeboten, bis sich ein zahlungskräftiger Mieter finde. In dieser Zielgruppe würden viele lieber Eigentum erwerben.

Mieten in Kassel: Kaufpreise für Eigenheime sind gestiegen

Die Kaufpreise für Wohnungen und Häuser sind im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent gestiegen. Blickt man weiter zurück, wird die Entwicklung deutlicher: Seit 2009 haben sich die Kaufpreise verdoppelt. Ein freistehendes Einfamilienhaus mit gutem Wohnwert (150 Quadratmeter) kostete 2019 im Schnitt 410 000 Euro.

Weil auch die Bevölkerung Kassels wachse – seit 2014 ist die Einwohnerzahl um 8400 Menschen gestiegen – gebe es weiter eine hohe Nachfrage, so Putz vom IVD Nordhessen. Hinzu kämen die günstigen Zinsen und die gute Einkommenssituation der Bevölkerung. „Man investiere lieber ins Eigenheim, um fürs Alter vorzusorgen“, sagt Putz.

Das zu geringe Angebot an Wohneigentum habe viele Gründen: Es gebe zu wenig Bauland, eine hohe Auslastung der Baufirmen und Engpässe im Bauamt. Letzteres sorge für Verzögerungen bei den Genehmigungsverfahren.

Der IVD Nordhessen geht davon auf, dass diese Entwicklung bei Kaufimmobilien in den nächsten Jahren anhält, aber die Preise nicht mehr so stark steigen wie zuletzt.

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