Mieterbund: Finanzinvestoren sparen an Service und Instandhaltung

Mieter leiden unter Heuschrecken

Ingo Groß

Kassel / Baunatal. Der Mieterbund Nordhessen sieht seine Befürchtungen nach dem Verkauf von Mietwohnungen an private Finanzinvestoren bestätigt. „Die Wohnungs-Heuschrecken sparen am Service“, sagt Mieterbund-Geschäftsführer Ingo Groß.

Finanzinvestoren wie die Deutsche Annington Immobiliengruppe oder Fortress als Mehrheitsgesellschafter der Gagfah hätten Wohnungen mit dem Ziel gekauft, kurzfristig hohe Renditen zu erzielen. „Beide handeln nach dem gleichen Muster“, erklärt Groß: „Personal abbauen und den Service senken, Instandhaltungen möglichst gänzlich einstellen, gleichzeitig die Nebenkosten hochfahren.“

Reparaturen würden nicht ausgeführt, die vernachlässigten Häuser führten zur Verwahrlosung von Wohnquartieren und letztlich zum Leerstand von Wohnungen, weil enttäuschte Mieter ausziehen. „Hierzu tragen auch überhöhte Nebenkostenabrechnungen bei“, sagt Groß.

In Baunatal gibt es aktuelle Fälle bei der Gagfah, die im Bereich Dachsbergstraße, Akazienallee sowie Birkenallee in Altenbauna 500 Wohnungen gekauft hatte. Das Unternehmen mit 175 000 Mietwohnungen in Deutschland zahle seinen Aktionären hohe Dividenden, kürze aber die Instandhaltungsinvestitionen weit unter die Vergleichswerte anderer Wohnungsunternehmen.

„Die Renditeerwartungen der Fortress sind nur möglich, wenn die Bewirtschaftungskosten gesenkt werden.“ Die Folgen seien Schimmelwohnungen, einsturzgefährdete Balkone und Risse an den Außenwänden von Häusern.

Klagen nehmen zu

In Kassel nehmen die Klagen von Mietern über den Verwaltungsservice der Deutschen Annington zu. Die 217 000 Wohnungen in Deutschland werden laut Groß mit 1302 Mitarbeitern bewirtschaftet - 100 weniger als im Vorjahr. In Kassel habe Annington über 800 Wohnungen, aber den Kundenservice vor Ort eingestellt. Mieter müssten für 3,9 Cent pro Minute in Bochum anrufen. Hat ein Mieter das Glück, jemand ans Telefon zu bekommen, bedeute das keine rasche Hilfe. „Die Erfahrungen zeigen, dass dies gar nicht oder erst auf einem langen Weg geschieht.“

So sei es bei Annington zur Regel geworden, dass auf Mängelbeschwerden, bei deren Nichtbeachtung eine Mietminderung vorgenommen wird, statt einer Mängelbeseitigung eine Mahnung wegen Mietrückstand erfolgt - als habe der Mieter nie Mängel angezeigt.

Dann müsse der Mieterbund juristische Hilfe leisten, denn die Interessen jedes Einzelnen könnten nur noch durch energisches Handeln durchgesetzt werden. (ach) Foto: Koch

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