Vorsitzender: Günstigen Wohnraum schaffen

Mieterbund fordert: Nicht nur teure Wohnungen bauen

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Sprießen wie Pilze aus dem Boden: Nicht nur wie hier an der Baunsbergstraße sind in den vergangenen Jahren Stadtvillen entstanden.

Kassel. Seit sechs Jahren kennen die Kasseler Mieten und Kaufpreise für Eigentumswohnungen nur eine Richtung: Sie steigen.

Nach einer Auswertung des Immobilienverbands Deutschlands sind sie allein von 2013 auf 2014 um bis zu elf Prozent geklettert (HNA berichtete). Um den Trend zu bremsen, fordert der Mieterbund Nordhessen, die Stadt solle für bezahlbaren Wohnraum sorgen. Dessen Vorsitzender Dr. Willi Hilfer sieht die städtische Wohnungsbaugesellschaft GWG in der Verantwortung, dass „nicht nur teure Stadtvillen“ entstehen.

„Neubau ist das beste Mittel, um Druck aus dem Markt zu nehmen. Weil die Nachfrage das Angebot übersteigt, ist der Markt heiß gelaufen“, sagte Hilfer. Für Familien mit Durchschnittsverdienst sei es schwer, Wohnungen in der Stadt zu finden. Dabei lasse sich für sechs bis acht Euro Miete pro Quadratmeter vernünftiger Wohnraum bauen.

Geringe Effekte für Kassel verspricht sich der Mieterbund von der vom Bund geplanten Mietpreisbremse. Diese werde ohnehin nur bei Neuvermietungen im Bestand und nicht bei bestehenden Mietverträgen oder Erstvermietungen in Neubauten greifen.

Ablehnend gegenüber steht Hilfer einem Mietspiegel für die Stadt. Eine solche Übersicht des Mietniveaus, wie es sie in anderen Städten gibt, führe zu weiteren Preissteigerungen. Der Grund: Mietspiegel bildeten nur die abgeschlossenen Mietverträge der vergangenen vier Jahre ab. Eine Veröffentlichung animiere andere Vermieter, ihre Preise ebenfalls zu erhöhen. Ein Mietspiegel ist auch bei der Stadt aktuell kein Thema. Die Erstellung sei mit 100 000 bis 150 000 Euro teuer. Jede Information zu Mietpreisen wirke sich zudem auf den Markt aus.

Der Kasseler Volkswirt Prof. Ulf Hahne von der Uni Kassel schlägt unterdessen im HNA-Gespräch vor, die Wohnungsnot durch Leerstände im Umland zu lindern. Höhere Pendlerpauschalen seien eine Möglichkeit.

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