"Jede zweite bis dritte Abrechnung ist schätzungsweise falsch"

Mieterbund Nordhessen: Viele Nebenkostenabrechnungen sind fehlerhaft

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Wasserzähler: Oftmals sind die Angaben auf Nebenkostenabrechnungen fehlerhaft.

Zwischen Mietern und Vermietern aus Kassel und der Region sorgen sie regelmäßig für Zündstoff: die Nebenkosten. Viele Abrechnungen sind fehlerhaft.

So drehen sich die Beratungen beim Mieterbund Nordhessen in den allermeisten Fällen um fehlerhafte oder unplausible Abrechnungen. „Jede zweite bis dritte Abrechnung ist schätzungsweise fehlerhaft“, sagt Maximilian Malirsch, Geschäftsführer des Mieterbundes.

Allein im vergangenen Jahr haben sich 4400 Haushalte an den Mieterbund wegen Streitigkeiten um Betriebskosten gewandt. Dies entspricht einem Drittel aller Beratungen. „Oft beruhen die Fehler nicht auf Bösartigkeit, sondern Unkenntnis. Gerade private Vermieter wissen es oft nicht besser“, sagt Malirsch. Wenn eine Abrechnung an erheblichen formellen Mängeln leide, werde ein Nachforderungsbetrag erst mal nicht fällig. Der Vermieter müsse nachbessern.

Maximilian Malirsch. Mieterbund Nordhessen

Häufig geht es um viel Geld. Wegen ihrer Höhe werden die Nebenkosten mittlerweile auch als zweite Miete bezeichnet, sagt Malirsch. Wohnungskonzerne wie Vonovia würden etwa ihre eigenen Subunternehmen mit Hausmeister- und Gartentätigkeiten beauftragen, um auch mit den Nebenkosten noch Gewinne zu erzielen.

Aus Sicht des Experten mangelt es häufig an der Nachvollziehbarkeit der Kostenaufstellungen. Dabei sei es laut Rechtsprechung vorgeschrieben, dass die Abrechnungen auch für „durchschnittlich gebildete Menschen“ verstehbar seien müssen.

Eine erhebliche Fehlerquelle liege in den Umlageschlüsseln, nach denen beispielsweise Heizkosten, Müllgebühren, Grundsteuer, Hausmeisterkosten und Gebäudeversicherungsbeiträge auf die Mietparteien verteilt werden. In den Mietverträgen müsse konkret aufgezählt sein, welche Kosten umgelegt werden. „Nur was im Mietvertrag aufgeführt ist, kann auch abgerechnet werden“, sagt Malirsch.

Hausverwaltungs- und Reparaturkosten dürfen grundsätzlich nicht auf die Mieter abgewälzt werden. Auch der Versicherungsbeitrag für Solaranlagen oder eine Rechtsschutzversicherung nicht.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Um Fehlern auf die Schliche zu kommen, haben Mieter das Recht, alle Rechnungen beim Vermieter einzusehen. Aber nicht nur das: „Nach jüngsten Gerichtsurteilen muss der Vermieter sogar auf Wunsch die Nebenkostenaufstellungen von benachbarten Mietparteien offenlegen. Denn manchmal lassen sich nur so Fehler aufdecken“, sagt Malirsch.

Lesen Sie dazu: Nebenkosten müssen klar vereinbart werden

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