Vor allem bei Kleinwohnungen gab es Kostensteigerungen

Mieterbund Nordhessen warnt vor zu hohen Mieten

Kassel. Die drastisch gestiegenen Mietpreise in Kassel hat der Mieterbund Nordhessen angeprangert. Besonders bei Kleinwohnungen gab es Kostensteigerungen.

Der wiedergewählte Vorsitzende Dr. Willi Hilfer sagte im Verlauf der Jahreshauptversammlung in Kassel, insbesondere bei Kleinwohnungen bis 40 Quadratmetern hätten sich die Mietpreise in fünf Jahren um mehr als 40 Prozent erhöht und seien im Durchschnitt von 6,20 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter auf 8,80 Euro gestiegen.

Solche kleinen Apartments würden nicht nur von Studenten, sondern vielfach auch von Rentnern und Beziehern von Hartz-IV-Leistungen bewohnt. „Die können das auf keinen Fall bezahlen“, mahnte Hilfer.

Wohnen dürfe nicht zum Luxusgut werden, ein ausreichendes Angebot an preisgünstigen Wohnungen sei wichtig. Es müsse auch bezahlbare Wohnungen für Mieter mit wenig Geld geben. Man habe nichts gegen teure Stadtvillen, aber es sei wichtig und gut, dass auch die Wohnungsgesellschaft Hessen (GWH) in Kassel 250 neue Wohnungen bauen wolle.

Vor den rund 200 Mieterbund-Mitgliedern und Gästen, die sich im Philipp-Scheidemann-Haus in der Kasseler Nordstadt versammelt hatten, sprach Vizelandrätin Susanne Selbert (SPD) über Armut in der Region und speziell im Landkreis Kassel. Immer mehr Menschen mit wenig Geld würden in entlegene Orte im Landkreis ziehen, weil es dort im Gegensatz zu Kassel und zum Kasseler Speckgürtel der Stadtrand-Kommunen noch erschwingliche Mietpreise gebe. Während die deutsche Wirtschaft im Höhenflug sei, schrumpfe die Mittelschicht, gebe es wachsende Ungleichheit bei den Einkommen, immer mehr Geringverdiener und Rentner, die kaum von ihren geringen Renteneinkünften leben könnten. Fatal sei, dass aus niedrigen Löhnen auch niedrige Renten würden. „Wir steuern auf eine besorgniserregende Altersarmut hin“, sagte Selbert.

Mieterbund-Vorsitzender Hilfer zog eine positive Bilanz der Arbeit im vergangenen Jahr. 37 Prozent der Mitglieder gehören schon länger als zehn Jahre dem Mieterbund an. Im Jahr 2014 gab es rund 11 000 Rechtsberatungen. Hauptsächlich ging es dabei um Nebenkosten-Abrechnungen. In vielen Fällen sei es gelungen, geforderte hohe Nachzahlungen zugunsten der Mieter zu verringern. Hilfer nannte als extremes Beispiel einen Fall aus der Mozartstraße, bei dem es gelungen sei, eine geforderte Nebenkosten-Nachzahlung von 3200 Euro auf 143 Euro Nachzahlung zu reduzieren. „Das zeigt, wie wichtig die Überprüfung ist und wie sich die Mitgliedschaft bezahlt machen kann.“ Dem Mieterbund Nordhessen gehören annähernd 18 000 Mitglieder an. Die Mitgliederentwicklung sei weiter positiv.

Wiedergewählt wurden auch die Vorstandsmitglieder Eberhard Fischer (stellvertretender Vorsitzender), Sabine Brandes (Schatzmeisterin), Harald Kühlborn (Schriftführer) sowie die Beisitzer Ursula Sandrock, Günther Morche und Heinrich Werhahn.

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