Rentner und Studenten finden kaum bezahlbaren kleinen Wohnungen

Mieterbund will Preisbremse

Kassel. Der Mieterbund Nordhessen hat die Forderung nach einer Mietpreisbremse bekräftigt. In Kassel seien die Mieten für kleine Singlewohnungen seit 2010 um 42 Prozent gestiegen, erklärt Mieterbund-Geschäftsführer Folker Gebel.

Es sei für viele Rentner und Studenten schwierig, eine bezahlbare Wohnung zu finden.

Zu hohe Mieten könnten die wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung der nordhessischen Region stoppen, wenn Fachkräfte keine bezahlbaren Wohnungen in der Stadt finden. Günstige Mietpreise seien auch in Zukunft ein wichtiger Standortfaktor, sagt Gebel. Die Entwicklung der Stadt Kassel müsse Vorrang haben vor den privaten Interessen der Vermieter.

Die Ankündigung des Kasseler Haus- und Grundeigentümerverbandes, gegen eine Mietpreisbremse in Kassel in einem Musterverfahren klagen zu wollen, sieht der Mieterbund kritisch. „Will sich die Vertretung der Vermieter plötzlich zum Mietpreistreiber Nummer eins in Kassel aufspielen?“, fragt Gebel.

Auch das Argument von Haus & Grund Kassel, dass zu-vor ein Mietspiegel für Kassel erarbeitet werden müsse, weist Gebel zurück. Die Kosten für die Erstellung eines amtlichen Mietspiegels bewegten sich im sechsstelligen Bereich, und trotz des Mietspiegels werde es bei Mieterhöhungen zu Streitfällen vor Gericht kommen.

Folker Gebel

Die Stadt Kassel sei in der Vergangenheit immer gut ohne Mietspiegel ausgekommen. Korrekte und rechtssichere Vergleichsmieten, wie sie für die Mietpreisbremse gefordert seien, könnten - wie es bisher geschehe - durch Vergleichswohnungen oder Gutachten ermittelt werden. Gebel weist zudem darauf hin, dass die entsprechende Rechtsverordnung zur Umsetzung der zweiten Stufe der Mietpreisbremse, die von der hessischen Landesregierung für bestimmte Gebiete in Kraft gesetzt werden muss, ohnehin zunächst nur für fünf Jahre gelte.

Würde die Mietpreisbremse kommen, weil die Landesregierung Kassel als Gebiet mit angespanntem Wohnungsmarkt einstuft, dürfen die Mietpreise bei einer Neuvermietung von Wohnraum nur noch zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. (ach) Foto: nh

Rot-Grün: Wohnungsmarkt angespannt 

Die Vorsitzenden der Rot-Grünen Rathauskooperation, Dr. Günther Schnell (SPD) und Dieter Beig (Grüne), sehen eine angespannte Situation auf dem Kasseler Wohnungsmarkt, wo seit Jahren ein rasanter Anstieg der Mietpreise zu verzeichnen sei.

SPD und Grüne widersprechen deshalb den Aussagen des Eigentümerverbandes Haus & Grund Kassel, dass eine Einführung der Mietpreisbremse in der Stadt nicht notwendig sei.

Auch wenn die Kasseler Mieten von einem relativ niedrigen Niveau kämen, könne dies kein Argument gegen die Mietpreisbremse sein. Man wolle rechtzeitig ein Steuerungsinstrument schaffen, „damit das Wohnen in Kassel bezahlbar bleibt“, sagt Schnell.

Einen amtlichen Mietpreisspiegel für Kassel lehnen SPD und Grüne ab. „Der Mietpreisspiegel ist ein Instrument, das den Anstieg der Mieten eher begünstigt, als bremst“, erklärt Schnell.

„Selbstverständlich freuen wir uns auch über die Dynamik auf dem Wohnungsmarkt, da sie wichtige Investitionen nach Kassel holt“, sagt Beig.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa/dpaweb

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