Mietspiegel könnte bei Unstimmigkeiten weiterhelfen

Mietstreit endet oft vor Gericht

Kassel. In vielen Städten Deutschlands dient ein qualifizierter Mietspiegel sowohl Mietern als auch Vermietern als Orientierung für die Höhe der Wohnungsmiete. In Kassel gibt es einen solchen Mietspiegel nicht.

Die Stadt habe „unter anderem wegen eines unverhältnismäßig hohen Kostenaufwandes von der Erstellung abgesehen“, heißt es dazu.

Stattdessen verweist Stadtsprecher Ingo Happel-Emrich auf Erhebungen des Immobilienverbandes Deutschland (IVD): Dort ist der durchschnittliche Preis für eine 3-Zimmer-Wohnung mit 70 Quadratmetern und gutem Wohnwert für Häuser (ab Baujahr 1949) zwischen 6,50 und 8 Euro angegeben (Januar 2014). Vorbehalte gegen einen Mietspiegel sind bei Entscheidungsträgern der Stadt aber nicht nur die hohen Kosten, sondern auch die Befürchtung, dass Vermieter die Mieten erst recht erhöhen, wenn sie diese mit einem offiziellen Mietspiegel abgleichen können.

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Ohne einen Mietspiegel müssen in der Regel drei Vergleichswohnungen hinzugezogen werden, um eine Erhöhung zu rechtfertigen, sagt Matthias Grund, Pressesprecher des Amtsgerichts Kassel. Immer wieder komme es deshalb zu Unstimmigkeiten zwischen Mietern und Vermietern. Vor dem Kasseler Amtsgericht und der Zweigstelle Hofgeismar war das bis Ende September dieses Jahres bereits 1327 Mal der Fall, vergangenes Jahr wurde 1825 Mal über Wohnungsmietsachen verhandelt. Zum Vergleich: 2010 waren es mit 1696 Fällen noch deutlich weniger. Bundesweit stritten sich Mieter und Vermieter insgesamt 277 568 Mal vor Amts- und Landgerichten. In mehr als 14 Prozent der Fälle ging es dabei um Mieterhöhungen.

Großer Streitschlichter

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- Betriebskosten sind Thema Nr. 1

- Sachverständiger Hartmut Ay: Gutachten letztes Mittel

Nach Schätzungen von Karl-Heinz Schwabe, Geschäftsführer des Mieterbundes Nordhessen, landen jährlich etwa 200 bis 250 der 12.000 Fälle vor Gericht, zu denen der Mieterbund Nordhessen berät. Laut der Beratungs- und Prozessstatistik des Mieterbundes können zwar 98 Prozent aller Beratungsfälle außergerichtlich geklärt werden. Dennoch sind Gerichtsverfahren über Wohnraumietsachen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes noch immer die häufigste Art der Zivilprozesse.

Gutachter schätzt den Wert

In den letzten zehn Jahren hat es nach dem Empfinden von Karl-Heinz Schwabe kaum Mieterhöhungsstreitigkeiten vor Gericht gegeben, bei denen ein Gutachter eingesetzt wurde. Das sei seit Kurzem anders. Wenn es bei Streitigkeiten um Mieterhöhungen zum Verfahren kommt, bestellt das Amtsgericht Kassel einen Gutachter, der den Wert eines vermietbaren Objekts einschätzt.

Von Sina Beutner

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