Amtsgericht: Zwei Männer hatten in einer Nacht gewaltig über die Stränge geschlagen

Milde Strafe für „Ausreißer“

Kassel. Das Wort „aggressiv“ fiel in dieser Verhandlung vor dem Amtsgericht in fast jeder Zeugenaussage. Was die Ursache für den Gewaltausbruch der beiden Angeklagten an jenem frühen Morgen im Juli 2012 war, das blieb bis zum Ende des Prozesses im Dunkeln.

Der heute 19-jährige und sein zwei Jahre älterer Kumpan waren nach einem Diskobesuch, bei dem ziemlich viel Alkohol geflossen sein muss, in der Kasseler Innenstadt unterwegs. Dort trafen sie einen heute 31-Jährigen, der am Nachtschalter einer Apotheke Medikamente für seine Freundin abgeholt hatte.

Sie sprachen ihn an, verlangten Geld. Als er unbeeindruckt seines Weges ging, liefen sie ihm nach, warfen ihn zu Boden, traten und schlugen auf ihn ein. Das beobachteten drei junge Leute, die auf dem Nachhauseweg von einer Disko waren. Sie griffen couragiert ein. Das hielt die Angeklagten nicht davon ab, Geld von dem Opfer zu fordern - mit Erfolg, denn der Mann gab sein Portemonnaie heraus.

Ihr Beutezug war jedoch noch nicht beendet. Wenig spätere rempelten sie einen heute 22-Jährigen und dessen Freundin an, beide kamen ebenfalls aus einer Diskothek. Wieder verlangte das Duo Geld, als die beiden nicht reagierten, bekam der 22-Jährige einen Schlag ins Gesicht und ging zu Boden. Außer zehn Euro nahmen ihm die Räuber den Ausweis weg. Eine Zivilstreife der Polizei nahm die beiden kurz darauf fest.

Vor Gericht räumten sie alles ein, entschuldigten sich. Der 19-jährige hat einen kleinen Diebstahl in seinem Vorstrafenregister, der 21-Jährige ist nicht vorbestraft. Er versuchte den Vorfall damit zu erklären, dass ihn seine Freundin verlassen hat. Weil er an jenem Abend betrunken war, könne er sich an nichts mehr erinnern. Rechtsmediziner Manfred Riße wollte ihm zwar keinen Filmriss attestieren, doch eine Minderung der Steuerungsfähigkeit nicht ausschließen, Alkohol könne in einem solchen Gemütszustand wie ein Katalysator für Gefühlsausbrüche wirken.

Die Tat sei ein „Ausreißer“ gewesen, sagte Richter Jan Pree. Der 19-Jährige fiel wegen seines Alters unter das Jugendstrafrecht, er muss einen vierwöchigen Arrest absitzen und 40 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Der 21-Jährige kam mit zwei Jahren auf Bewährung davon, er zahlt zudem 1000 Euro an das Hospiz. Die größte Strafe dürfte für ihn freilich sein, dass er seinen Job als Zeitsoldat an den Hangel hängen muss. (pas)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.