Landgericht verhängt bis zu vier Jahre Gefängnis gegen Schmuggler – Lohfeldener wegen Beihilfe verurteilt

Milde Strafen für Marihuana-Händler

Kassel. Vom Strippenzieher zum bloßen Helfer: Im Mammutprozess um den Schmuggel von 600 Kilogramm Marihuana nach Deutschland ist der einzige Angeklagte aus der Region am Donnerstag zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Nach 22 Verhandlungstagen und mehr als fünfmonatigem Prozess befand das Kasseler Landgericht, dass der 50-Jährige aus Lohfelden nur „relativ geringe Beiträge“ zu der Tat geleistet hatte.

Für die Staatsanwaltschaft war der Mann dagegen so etwas wie der Dreh- und Angelpunkt des Riesendeals, der im November 2012 aufgeflogen war. Sie hatte acht Jahre Haft gefordert – während die Verteidigung allenfalls eine Bewährungsstrafe für angemessen hielt.

Das Gericht nannte den Lohfeldener einen „Informationsmittler“: Er habe, weil des Deutschen wie des Albanischen mächtig, zwischen den Drogenverkäufern in Albanien und ihrem Kunden aus Offenbach vermittelt – doch es sei nicht zu erkennen gewesen, dass er selbst an dem Geschäft verdient habe. Mutmaßen, wie es die Staatsanwaltschaft getan habe, könne man da natürlich viel, sagte Richter Jürgen Stanoschek. „Es nutzt uns aber nichts, Vermutungen auszusprechen.“

Den Offenbacher schickte das Gericht für vier Jahre ins Gefängnis: Der 48-Jährige hatte das Marihuana bestellt – wenn auch wohl nur rund 50 Kilogramm. Als dann ein Sattelschlepper mit der zwölffachen Menge, versteckt zwischen 15 Paletten voller Weinflaschen, in Lohfelden eintraf, will er selbst überrascht gewesen sein. „Das ist nicht zu widerlegen“, meinte das Gericht.

Einen Einkaufswert von 600 000 Euro hatte die Drogenlieferung. „Ihm fehlte der finanzielle Background für ein Geschäft in dieser Größenordnung“, sagte Stanoschek. Und auch die nötigen Abnehmer hatte der Offenbacher nicht. Gleichwohl erklärte er sich bereit, das Marihuana in seiner Lagerhalle im thüringischen Eichsfeld zu bunkern. Wo dann jedoch die Polizei zugriff.

Durch die Überwachung eines Kasseler Heroindealers waren die Drogenfahnder auf den geplanten Schmuggel aufmerksam geworden – und hatten deshalb eigentlich mit einer Heroinlieferung gerechnet. „Etwas grobmotorisch“, kritisierte Stanoschek, seien die Beamten bei der Sicherstellung des Stoffs vorgegangen. „Man reißt das dann auseinander und stellt fest, dass es nur Marihuana ist – dafür aber 600 Kilogramm.“

Drahtzieher im Ausland

Zwei Albaner, die bei der Abwicklung des Transports geholfen hatten, verurteilte das Landgericht zu jeweils drei Jahren und drei Monaten Gefängnis. Zwei weitere Angeklagte, die bloß am Rande beteiligt gewesen waren, kamen mit Bewährungsstrafen davon. Die eigentlichen Drahtzieher des spektakulären Deals aber saßen nach Ansicht der Strafkammer gar nicht auf der Anklagebank – sondern sind nach wie vor im Ausland.

Von Joachim F. Tornau

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