Auseinandersetzung am Stern – Bewährung für sechs Männer

Milde Strafen nach Massenschlägerei

Kassel. Der Massenprozess um eine Massenschlägerei am Stern in Kassel ist Donnerstag nach vier Verhandlungstagen mit milden Urteilen zu Ende gegangen:

Von den ursprünglich acht Angeklagten, die sich auf der Anklagebank im Amtsgericht drängten, wurden sechs zu Geld- beziehungsweise niedrigen Bewährungsstrafen verurteilt. Gegen einen 38-Jährigen wurde das Verfahren eingestellt. Und ein 47-Jähriger aus Berlin ging sogar mit einem Freispruch nach Hause: Der Mann hatte nachweisen können, dass er überhaupt nicht am Tatort gewesen war, weil er an jenem Abend im Juni 2007 arbeiten musste.

Die Auseinandersetzung, die das Amtsgericht in einem mühsamen Verfahren aufzuklären versucht hatte, spielte in der kleinen Gemeinde der in Kassel lebenden Bangladescher. Laut Anklage sollten die zwischen 38 und 47 Jahre alten Angeklagten gemeinsam auf eine Gruppe von Landsleuten losgegangen sein. Sie hätten sie mit einem Schreckschussrevolver bedroht und mit Eisenstangen geschlagen – „wegen vorangegangener Streitigkeiten“, wie die Staatsanwaltschaft zunächst nur recht lapidar erklärt hatte.

Im Prozess war jedoch deutlich geworden, dass so etwas wie Schutzgelderpressung im Hintergrund stand: Einige der Männer waren am Tattag von ihren späteren Opfern zu einem Imbiss am Stern beordert worden, um eine Art Strafe für frühere Schlägereien zu zahlen – von 200 Euro war die Rede. Wogegen sie sich natürlich zur Wehr setzen wollten.

Übers Ziel hinaus

So jedenfalls hatten es die Angeklagten erzählt. Und davon ging auch das Gericht bei seinem Urteil aus, wie Verteidiger Michael E. Kuntze berichtete. „Aber sie sind nach Auffassung des Gerichts dann übers Ziel hinausgeschossen.“

Denn die erpressten Männer waren mit Freunden als Verstärkung beim Döner-Restaurant aufgetaucht – angeblich, um ihre Widersacher zur Rede zu stellen. Angegriffen, beteuerten sie vor Gericht, hätten nicht sie, sondern die anderen. Und sie hätten sich dann bloß verteidigt. Diese Geschichte wollte das Schöffengericht zwar nicht glauben, nahm aber einen minderschweren Fall der gefährlichen Körperverletzung an.

Die Strafen fielen darum recht moderat aus: Selbst der 44-jährige Kioskinhaber, der in der Anklage noch zum Rädelsführer erklärt worden war, kam mit einer siebenmonatigen Bewährungsstrafe davon – genauso wie ein 39 Jahre alter Koch. Zwei Wochen weniger waren es bei einem 44-jährigen Arbeiter. Und für die drei weiteren blieb es bei Geldstrafen zwischen 90 und 150 Tagessätzen. (jft)

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