Amtsgericht verurteilt drei Männer

Milde Strafen für Staubsaugerattacke

Kassel. Juristisch hörte das, was geschehen war, auf die sperrigen Namen Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und gefährliche Körperverletzung.

Einfacher aber könnte man sagen: Es war die Racheaktion eines Rollkommandos. Vor fast genau drei Jahren überfielen vier Männer einen heute 31-Jährigen in der Wohnung seiner Ex-Frau an der Frankfurter Straße und verprügelten ihn unter anderem mit einem Staubsaugerrohr. Offenbar, weil der Mann vorher einen von ihnen in dessen Wohnung ausgeraubt hatte.

Nun wurden drei der Angreifer vom Kasseler Amtsgericht verurteilt. Gegen einen 29-jährigen Kasseler und einen 31-Jährigen aus Lohfelden verhängte das Gericht Bewährungsstrafen von elf Monaten, gegen einen 30-Jährigen aus Kaufungen eine Geldstrafe von 2400 Euro (60 Tagessätze à 40 Euro). Vor anderthalb Jahren war schon einmal vor dem Kasseler Amtsgericht verhandelt worden. Damals jedoch wollte das Schöffengericht das Verfahren ans Landgericht abgeben – weil die eigene Strafgewalt von maximal vier Jahren Haft womöglich nicht ausreiche. Das Landgericht aber sagte nein. Worauf auch die Generalstaatsanwaltschaft und das Oberlandesgericht in Frankfurt mit dem Fall befasst wurden. Doch am Ende war das Verfahren wieder da, wo es begonnen hatte: vor dem Schöffengericht.

Und das sprach nun Strafen aus, die so gering ausfielen, dass sie auch von einem Einzelrichter hätten ausgesprochen werden können. Der Justizringelpiez kam den Angeklagten zu Gute: Die lange Verfahrensdauer musste strafmildernd berücksichtigt werden. Und auch sonst hatten sie Glück. Wer der vierte Täter war, ist bis heute nicht ermittelt. Selbst die drei Angeklagten behaupten, ihn erst an jenem Abend kennengelernt zu haben und seinen Namen nicht zu wissen.

Dass er dann bei dem Überfall plötzlich eine Schusswaffe gezogen habe, das habe sie selbst „erschreckt“. Und natürlich hätten auch nicht sie die Wohnungstür brutal aufgetreten, sondern der Unbekannte. Was nicht zu widerlegen war. Genauso wenig konnte nachgewiesen werden, wer für die Sachbeschädigungen verantwortlich war. Nicht nur ein Fernseher und der Staubsauger waren bei dem Überfall zu Bruch gegangen, sondern auch ein Kinderwagen: Während der Attacke versteckte sich die Ex-Gattin des Opfers mit ihrer damals acht Monate alten Tochter im Schlafzimmer. Dass Frau und Kind den Rachefeldzug miterleben mussten, dafür entschuldigen sich die Angeklagten. Für alles andere nicht. (jft)

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