Vier neue Tracks und eine Konzert-DVD

Tüfteln mit Magie: Milky Chance bringt "Special Edition“ mit Live-CD raus

Fast scheue Zurückhaltung: Milky Chance mit Clemens Rehbein (links) und Philipp Dausch im Kasseler Kulturzelt. Foto: Schachtschneider

Konzerte von Las Vegas bis New York teils in 30 Minuten ausverkauft, Gold für die Single „Stolen Dance“, 34 weitere Auftritte in den USA sind geplant. Der phänomenale, inzwischen transatlantische Erfolg des Kasseler Duos Milky Chance bringt immer neue Schlagzeilen.

Und nun gibt es auch neue Musik. Genauer: Das bekannte, wunderbare Songmaterial von Clemens Rehbein und Philipp Dausch, ergänzt in einer „Special Edition“ mit vier neuen Tracks und einer Konzert-DVD, die im Musikclub Koko (Camden Palace) in London und beim Open-Air-Auftritt in der Zitadelle Berlin-Spandau aufgezeichnet wurde.

Im Klartext: Die „Sadnecessary“-CD erscheint noch mal. Plus die in London eingespielten Titel „Given“ und „Nevermind“ sowie die Berliner Stücke „Follow“ und „Who To Blame“. Dieses Song-Quartett findet sich auch auf der DVD mit den Konzertmitschnitten. Mitsamt all der Hits von „Fairytale“ bis „Down By The River“.

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Ausgiebig kann man also bestaunen, wie klug und überlegen die Soundtüftler ihre gitarrengeprägten Singer-Songwriter-Melodien von magischer Wirkung mit elektronischen und perkussiven Elementen aufpeppen. Das Design dieser im eigenen Kasseler Label Lichtdicht erschienenen „Special Edition“ ist toll - das Cover („Artwork“: Moritz Buchmann, Faye Hintke, Philipp Herder) sieht aus wie das Detail eines Gerhard-Richter-Gemäldes, im Booklet bebildern Foto-Momentaufnahmen der Tour die neuen Songtexte (in einer ziemlichen Sauklaue). Antonio Greger (Mundharmonika) wird leider nicht erwähnt.

Zwar zeigt die DVD Rehbein in Spandau im Gespräch mit Fans, die Kameras rücken Milky Chance während der Konzerte aber nicht auf die Pelle. Oft wird aus der Ferne, aus dem Publikum, gar vom düsteren Bühnenhintergrund aus Bodenhöhe gefilmt. Nie wird ganz dicht gezoomt. Scheinwerfer werden sowieso spärlich eingesetzt, das Duo steht oft im Dunkeln. Es gibt, wie beim Kulturzelt-Gastspiel in Kassel im Sommer, praktisch keine Zwischenansagen. Eine fast scheue Zurückhaltung, ja Unnahbarkeit drückt sich darin aus, die schlechtestenfalls als überheblich ausgelegt werden könnte. Vielleicht ist sie das richtige Mittel, um Distanz zum Hype zu halten, mit dem das Duo derzeit klarkommen muss. Denn eine Milky-Chance-Meldung jagt die nächste.

Ob ein Auftritt in der Jimmy-Kimmel-Late-Night-Show, eine im Radio live eingespielte Miley-Cyrus-Akustik-Coverversion, das Gastspiel bei „Homesick“ auf dem neuen Gentleman-Album - alles, was die Absolventen der Kasseler Jacob-Grimm-Schule derzeit fabrizieren, sorgt für Wirbel: Nominierungen für die „1 live Krone“, die MTV Europe Awards, die Publikumswahl beim European Border Breakers Award (Ebba), Zusagen als nächster „Special Guest“ beim „Music Discovery Project“ des hr-Sinfonieorchesters und als Botschafter für ein Reha-Zentrum in Österreich.

Die „Bild“ mutmaßt schon: „In Kassel wird man sie nicht mehr so schnell sehen.“ Wir hoffen, dass „Bild“ irrt.

Milky Chance: Sadnecessary Special Edition (CD/DVD, Lichtdicht Records), Wertung: Fünf von fünf Sternen

Von Mark-Christian von Busse

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