Probleme für Kassel

Millionen fehlen: Niedrigzinsen bringen regionale Stiftungen in Bedrängnis

Kassel. Die anhaltend niedrigen Zinsen sind für private Sparer ärgerlich. Für viele soziale und kulturelle Einrichtungen im Raum Kassel, die mit Stiftungsgeld gefördert werden, ist die schlechte Zinssituation teils bedrohlich: Es steht immer weniger Geld zum Verteilen zur Verfügung.

Bei einigen Stiftungen sind die Erträge binnen weniger Jahre auf ein Drittel zusammengeschmolzen. Insgesamt fehlt ein Millionenbetrag zur Förderung guter Zwecke.

Die Stiftungsaufsicht beim Regierungspräsidium (RP) Kassel macht die Dimension deutlich: Das Gesamtvermögen, das die 100 im Stadtgebiet registrierten Stiftungen verwalten, sei in den vergangenen zehn Jahren von 60 Millionen auf etwa 75 Mio. Euro gestiegen. Die deutlich gewachsene Summe werfe aber nicht einmal halb so viele Zinserträge ab wie der geringere Betrag damals.

Kennzeichnend für Stiftungen ist, dass das eingebrachte Vermögen nicht angetastet und der Stiftungszweck nur aus den Zinserträgen verfolgt wird. Die beim RP zuständige Dezernatsleiterin Carmen Abel schätzt, dass die Kasseler Stiftungen vor zehn Jahren insgesamt etwa drei Mio. Euro ausschütten konnten und dass es aktuell vielleicht gerade noch eineinviertel Millionen seien.

Das trifft nicht zuletzt kleine Kulturveranstalter und -initiativen, die hauptsächlich aus Spenden und Fördergeld Räume und Personal bezahlen müssen. Was von den Stiftungen derzeit nicht kommt, könne die Stadt nicht ohne weiteres auffangen, sagt Kulturamtsleiterin Dorothée Rhiemeier. Sie beobachtet einen „massiven Einbruch“ bei dieser Finanzierungsquelle.

Gut behauptet hatten sich bis 2012 die vier Förderstiftungen der Kasseler Sparkasse. Seither sind aber auch dort die Zinserträge zugunsten von Kultur, Sport und Sozialem zurückgegangen – von 300 000 auf dieses Jahr knapp 200 000 Euro.

Unter 50 deutschen Städten mit der höchsten Stiftungsdichte bezogen auf die Einwohnerzahl liegt Kassel auf Platz 17. (asz) 

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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