KVG erwischt 7200 Schwarzfahrer pro Jahr

Schwarzfahrer in Bus und Tram: Millionen gehen verloren

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Die Fahrscheine bitte: Unser Archivfoto zeigt Kontrolleure bei einer sogenannten Schwerpunktkontrolle. Dabei gingen KVG und die Polizei gemeinsam vor. Es wurden sogar Verhaftungen vorgenommen.

Kassel. Eine gemeinsame Fahrkartenkontrolle von Polizei und Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) im Juni hatte ein bemerkenswertes Ergebnis: Auf der Tramstrecke zwischen Stern und Endhaltestelle Holländische Straße waren von 230 überprüften Fahrgästen in den Straßenbahnen 28 ohne Fahrschein unterwegs.

Das waren zwölf Prozent der kontrollierten Fahrgäste.

Generell geht die KVG aber von einer viel geringeren Schwarzfahrerquote aus. Das Verkehrsunternehmen schätzt, dass durchschnittlich nur 1,5 Prozent aller Fahrgäste ohne Ticket unterwegs sind. Solche Schwerpunktkontrollen wie jüngst auf der Holländischen Straße „sind viel, viel näher an der Wahrheit dran“, ahnt indes Walter Bien, Leiter des KVG-Bereichs.

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KVG-Sprecherin Heidi Hamdad erklärt die Differenz von zwölf zu 1,5 Prozent Schwarzfahrern so: „In den Angaben der Polizei sind auch Fahrgäste berücksichtigt, die ihre Monatskarte vergessen hatten und diese später vorgelegt haben.“ In solchen Fällen seien keine 40 Euro fällig und es erfolge auch keine Strafanzeige. Die tatsächliche Schwarzfahrerquote betrage drei bis fünf Prozent, sagt die Sprecherin.

In Zahlen ausgedrückt bedeuten 1,5 Prozent Schwarzfahrer bei insgesamt knapp 45 Millionen Fahrgästen im vergangenen Jahr: Rund 675 000 fuhren ohne Ticket. Rechnet man mit den intern kalkulierten fünf Prozent, wären das 2013 rund 2,25 Millionen Schwarzfahrer gewesen.

Bei einem Ticketpreis für eine Fahrt in der Stadt von 2,70 Euro wären der KVG damit zwischen 1,8 und 6,1 Millionen Euro Einnahmen aus dem Fahrkartenverkauf durch die Lappen gegangen. Nähme man nur das erhöhte Beförderungsentgelt von 40 Euro, das alle Schwarzfahrer zahlen müssten, wäre die KVG auf einen Schlag alle Finanzsorgen los. Dann ergäben sich theoretisch Summen von 27 bis 90 Millionen Euro für die Kasse der KVG.

Bien betont, dass sich ein Mehreinsatz von Kontrolleuren nicht zwangsweise rechne. Derzeit investiere man 500.000 Euro für den gesamten Kontrollaufwand bei der KVG. „Das Ziel ist, wieder einen Kontrollgrad von zwei Prozent zu erreichen“, sagt Bien. Das sind 900.000 Fahrgäste, die mit dem neuen Zwei-Mann-Konzept kontrolliert werden sollen.

Tatsächlich erwischt werden in Bussen und Trams nur etwa 7200 Schwarzfahrer pro Jahr. „Das hätte zu Einnahmen von etwa 288.000 Euro geführt“, sagt Hamdad. Auf etwa 85.000 Euro musste die KVG aber verzichten. Denn wenn ein Fahrgast sein vergessenes Ticket nachträglich vorzeigt, muss er nur sieben Euro Bearbeitungsgebühr zahlen. Und von mittellosen Schwarzfahrern sind die 40 Euro nicht zu holen.

Von Matthias Hoffmann

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