Millionen gespart: Jobcenter verteidigen Unterstützung von Existenzgründern

Auf in den Aufschwung: So warben Bundeswirtschaftsministerium und Gründerwoche Deutschland im Oktober 2010 in Berlin für die Existenzgründung. Foto: dpa

Kassel. In den Jobcentern von Stadt und Kreis Kassel will man an der Förderung der Selbstständigkeit festhalten, um die Arbeitslosigkeit weiter zu reduzieren.

Die jährlichen Einsparungen, die das Jobcenter Stadt Kassel durch Existenzgründung sowie den Erhalt und die Sicherung von Kleingewerbe erzielt, „betragen für den Bund beim Arbeitslosengeld II derzeit elf Millionen Euro", rechnet Sprecherin Petra Böhles vor.

Hinzu kämen die jährlichen Einsparungen der Stadt Kassel durch Wegfall der Miet- sowie Heizkostenübernahme von sechs Millionen Euro, weil die Familien durch eigenes Einkommen ihre Mieten selbst zahlen könnten.

Burkhard Walter, Leiter des Arbeitgeberservice des Jobcenters Stadt Kassel, verweist darauf, dass dies nicht ohne finanzielle Unterstützung zu erreichen sei. „Ich ziehe den Hut vor den Personen, die in ihrer prekären Situation den Mut besitzen, ihren Lebensunterhalt mit eigenem Risiko selbst zu finanzieren“, sagt Walter.

Bei der Hälfte aller Anfragen von Selbstständigen, die in eine Schieflage geraten waren und denen von anderer Seite keine Unterstützungsmöglichkeiten mehr eingeräumt wurden, konnte das Jobcenter helfen, die Existenz zu erhalten und das Unternehmen wieder rentabel zu führen, sagt Petra Böhles. Damit würden Arbeitslosigkeit und Abhängigkeit von staatlichen Zahlungen vermieden.

Im Jobcenter des Landkreises Kassel gibt es ein spezielles Kompetenzteam für selbstständige Kunden. Diese würden nämlich „sehr genau begutachtet“, erklärt Jobcenter-Sprecherin Daniela Voigt. Schon beim Start eines Arbeitslosen in die Selbstständigkeit werde sehr genau geprüft, ob die Geschäftsidee tragfähig und rentabel ist. Es werde also schon frühzeitig darauf geachtet, dass die Arbeit als Selbstständiger nicht dauerhaft subventioniert werden muss. Die Fachleute im Jobcenter schauen auch genau in die Buchführung und in die Steuererklärung von Selbstständigen, die ihren Lebensunterhalt mit Geld von der Arbeitsagentur aufstocken wollen. Damit soll verhindert werden, dass sich jemand gezielt arm rechnet, um zusätzliches Geld zu kassieren. Äußerst aufmerksam werden die Jobcenter-Mitarbeiter etwa, wenn ein Firmeninhaber mit mehreren Mitarbeitern erklärt, kein Geld mehr übrig zu haben, um sich ernähren und kleiden zu können. „Wer mehrere bezahlte Mitarbeiter hat, müsste davon leben können“, sagt Daniela Voigt.

Selbst wenn Existenzgründer mit ihren Ideen endgültig scheitern würden, seien die Erfahrungen aus der Selbstständigkeit hilfreich, sagt Detlev Ruchhöft, Geschäftsführer des Jobcenters Stadt Kassel und Leiter des städtischen Sozialamtes. Die Betroffenen seien nämlich leichter wieder in eine Berufstätigkeit zu vermitteln.

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