Kassel neben Dresden und Hamburg am schlimmsten getroffen

Mindestens 12 000 Tote

Nach der Bombennacht vom 22. Oktober 1943 war für Kassel der Krieg noch lange nicht beendet. Bis zum März 1945 gab es noch 27 Angriffe. Über 5000 Bomber brachten Tod und Zerstörung. Die Bilanz für die Stadt mit einem Zerstörungsgrad von 75 Prozent war verheerend. In der Altstadt blieben nicht einmal fünf Prozent der Häuser stehen.

Neben Dresden, Hamburg und Darmstadt gehörte Kassel zu den deutschen Städten mit den höchsten Opferzahlen. Mindestens 12 000 Menschen kamen bei den Luftangriffen ums Leben.

Militärisch unbedeutend, aber als Symbol des Untergangs wichtig, war die teilweise Zerstörung von Schloss Wilhelmshöhe bei einem Angriff am 29. Januar 1945. Die Bomben galten eigentlich dem Henschelwerk Mittelfeld und Bahnanlagen in Rothenditmold. Der Mitteltrakt des Schlosses wurde unbeabsichtigt getroffen und brannte völlig aus. Peter Knobbe, der heute in Niestetal lebt, erinnert sich:

„Ich bin in einem Haus an der Wilhelmshöher Allee, Ecke Stephanstraße aufgewachsen. Das Haus gibt es nicht mehr. Zum Zeitpunkt des Schlossbrandes war ich fast sieben Jahre alt und kann mich sehr gut daran erinnern. Wenn es Fliegeralarm gab, rannten wir den Bischofsweg herunter in den Bunker unter dem Rammelsberg. Als wir nach Ende des Alarms aus dem Bunker kamen, mussten wir an einem brennenden Wohnhaus an der Bachstraße vorbeigehen. Wieder auf der Wilhelmshöher Allee angekommen, richteten sich unsere Augen, wie die aller Leute, die sich auf der Allee befanden, in Richtung Schloss Wilhelmshöhe. Als Kind konnte ich das Entsetzen noch nicht so richtig begreifen. Aber der Anblick, der aus den Fensterhöhlen schlagenden Flammen hat mich sehr in Angst versetzt. Zum ersten Mal wurde mir so richtig deutlich, was Krieg ist.“

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