Sieben Prozent der Vollzeitbeschäftigten in Kassel betroffen

Mindestlohn: Viele mit Mini-Job bekommen mehr Geld

Kassel. Ab dem 1. Januar gilt der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro. Davon werden nach laut DGB Nordhessen 7400 Vollzeitbeschäftigte in Stadt und Kreis Kassel profitieren.

Das entspricht sieben Prozent. Deutlich stärker betroffen ist der Bereich der Mini-Jobs (450-Euro-Jobs). In Stadt und Kreis Kassel gibt es laut DGB rund 41 000 Mini-Jobber. Zwei Drittel dieser Gruppe verdient überregionalen Zahlen zufolge bislang weniger als 8,50 Euro.

Während die Gewerkschaften das Lohnplus für die Niedrigverdiener lange gefordert hatten, befürchtet die Arbeitgeberseite den Verlust von Arbeitsplätzen. „Wenn der Wert der Arbeit ojektiv geringer ist als der Mindeslohn, wird dieser Arbeitsplatz wegfallen“, sagt Jürgen Kümpel, Geschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmer Verbände in Kassel (VhU). Der Einstieg in eine Festanstellung werde dadurch verhindert.

Die Gewerkschaften gehen davon aus, dass einige Arbeitgeber versuchen werden. den Mindestlohn mit Tricks zu umgehen. Sie fordern, dass die Einhaltung vom dafür zuständigen Zoll konsequent überwacht wird. „Wir befürchen, dass einige auf dem Papier zwar 8,50 Euro bezahlen, dann aber die die Stundenzahl erhöhen, sodass die Mitarbeiter quasi unbezahlte Mehrarbeit leisten müssen“, sagt Andreas Kampmann von der Gastronomie-Gewerkschaft NGG.

In der Gastronomie und im Einzelhandel sowie im Taxigewerbe werden den Statistiken zufolge besonders häufig niedrigere Löhne als 8,50 Euro gezahlt. Taxifahrten, Restaurant- und Hotelbesuche könnten für Verbraucher im neuen Jahr daher teurer werden.

Arbeitsmarktexperte Prof. Holger Bonin von der Uni Kassel geht nicht davon aus, dass es 2015 zu einem nennenswerten Jobabbau kommen wird. Das sozialpolitische Ziel, Armut zu vermeiden, werde mit dem Mindestlohn jedoch nicht erreicht.

Interview mit HNA-Geschäftsführer Harold Grönke

Der Mindestlohn sorgt für Veränderungen bei der Entlohnung der Zeitungszusteller. Darüber sprachen wir mit HNA-Geschäftsführer Harold Grönke.

Herr Grönke, was ändert sich zum 1. Januar für die HNA-Zusteller? 

Harold Grönke

Harold Grönke: Auch für die HNA-Zusteller gilt ab Januar der Mindestlohn von 8,50 Euro. Weil der Mindestlohn ein Stundenlohn ist, müssen wir unser Abrechnungssystem umstellen. Bisher sind Zeitungszusteller nach Stückzahl bezahlt worden. Anders als bei einem Arbeitnehmer, der morgens ins Büro oder die Werkstatt kommt und am Nachmittag wieder geht, wissen wir ja nicht, wie lange der Zusteller braucht. Daher ist von jeher die Zahl der zugestellten Zeitungen abgerechnet worden.

Wie wird es künftig gemacht? 

Grönke: Wir werden den Zustellern eine Regelarbeitszeit vorgeben, die nach unseren Berechnungen realistisch ist. Dafür müssen wir jeden der 2000 Zustellbezirke im Verbreitungsgebiet der HNA bewerten. Außerdem werden wir eine Möglichkeit schaffen, wie Zusteller uns melden können, wenn sie länger gebraucht haben - zum Beispiel bei Glätte - oder schneller fertig waren.

Wie groß ist der Aufwand? 

Grönke: Der ist enorm. Zumal die entsprechende Verordnung, in der die rechtlichen Details geregelt sind, erst vor wenigen Wochen veröffentlicht wurde. In den ersten Monaten des Jahres werden wir daher rotieren, um die Umstellung organisatorisch zu bewältigen. Danach wird rückwirkend zum 1.1. ein Stundenlohn von 8,50 Euro gezahlt

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.