Verwaltungsgerichtshof will auf Sitzungssaal nicht verzichten

Ministerin: Torwache für Besucher öffnen

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Kassel. Jacob und Wilhelm Grimm lebten mit ihrer Schwester Lotte von 1814 bis 1822 in der Torwache. Das Gebäude an der Wilhelmshöher Allee ist in Kassel das einzige Wohnhaus der Grimms, das zumindest im äußeren Erscheinungsbild erhalten geblieben ist. Heutzutage wird die Wohnung als Sitzungssaal des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs (VGH) genutzt.

Kulturministerin Eva Kühne-Hörmann möchte, dass dieser authentische Ort so schnell wie möglich für die Öffentlichkeit „begehbar“ wird. Neben dem Weltdokumentenerbe der Unesco (Handexemplare der Brüder Grimm) und dem Neubau des Grimm-Museums auf dem Weinberg sei die Torwache ein Schatz, der endlich gehoben werden müsse. Nachdem die Grimm-Wohnung in der Landesausstellung „Expedition Grimm“ ausführlich vorgestellt werde, wachse das Interesse der Bevölkerung an dem Ort.

Die Ministerin fordert deshalb, dass der VGH, der ohnehin in den nächsten Jahren in das ehemalige Finanzamt an der Goethestraße umziehen wird, den Sitzungssaal vorzeitig zur Verfügung stellt, damit hier ein musealer Ort entwickelt werden könne. Es sei kein großer Aufwand für die Richter, bis zum Umzug Sitzungssäle an anderen Gerichtsstandorten zu nutzen, sagt Kühne-Hörmann. Es gebe zum Beispiel ein Angebot des Bundessozialgerichts (BSG), dass der VGH seine Verhandlungen auch in dem Gebäude am Graf-Bernadotte-Platz führen könne.

Beim VGH hält man von den Plänen nichts: „Wir sind ein Obergericht, das seine Sitzungssäle braucht“, sagt Präsident Dr. Karl-Hans Rothaug. „Solange sich das VGH noch am Brüder-Grimm-Platz befindet, werden wir auf die Torwache nicht verzichten.“ Das BSG sei viel zu weit weg, um dort zu verhandeln.

Im Justizministerium sieht man das etwas entspannter. „Wir werden das mit Wohlwollen prüfen“, sagt Sprecher Dr. Hans Liedel.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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