Das Tier war ausgebüxt

Mischlingshund Felix fuhr allein mit der Tram durch Kassel

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Felix fährt gern Bahn: Sascha Kleczka war froh, als sich am Mittwoch bei ihm die Polizei meldete, die den Hund am Hauptbahnhof in Empfang genommen hatte.

Kassel. Mischling Felix ist am Mittwochmorgen in der Nordstadt ausgebüxt, in eine Regiotram gestiegen und bis zum Hauptbahnhof gefahren.

Der 25-jährige Sascha Kleczka war am Mittwochmorgen richtig glücklich, als sich die Polizei bei ihm meldete. Die Beamten fragten ihn, ob er seinen Hund vermisse. Das bejahte der Student, der an der Kasseler Kunsthochschule Produktdesign studiert. Sascha Kleczka war zu diesem Zeitpunkt bereits eine halbe Stunde damit beschäftigt, seinen Hund Felix in der Nordstadt zu suchen. Was der junge Mann nicht wusste: Mischling Felix war am Morgen an der Haltestelle „Hauptfriedhof“ in der Nordstadt in eine Regiotram der Linie 4 gestiegen und Richtung Innenstadt gefahren.

Dort entdeckten ihn gegen 7.30 Uhr Fahrgäste der Regiotram, teilt Heidi Hamdad, Sprecherin der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG), mit. Sie gaben den Hund, der keine Leine an seinem Halsband trug und auch kein gültiges Ticket dabei hatte, beim Fahrer ab. Dieser nahm den Hund mit in seine Fahrerkabine, wo er sich zufrieden neben dem Sitz hinlegte und zum Hauptbahnhof mitfuhr, so Hamdad.

Der Fahrer informierte anschließend die KVG-Leitstelle, die ihrerseits die Kasseler Polizei anrief. Im Hauptbahnhof verließ der Fahrer mit Felix die Tram für seine Pause. In einem Restaurant übergab er Felix dann der Polizei. Die Beamten riefen schließlich Sascha Kleczka an, dessen Nummer auf dem Halsband von Felix steht.

Der Student, der in der Fiedlerstraße lebt, war am Mittwochmorgen mit Felix, der über eine griechische Tierschutzorganisation nach Deutschland kam, im Innenhof des Mehrfamilienhauses gewesen, um Material auf seinen Wagen aufzuladen.

Der 25-Jährige ist an einem Projekt der Kunsthochschule beteiligt, das während der documenta in vier Schaufenstern der Galeria Kaufhof in der Innenstadt stattfindet. Wahrscheinlich sei es Felix zu langweilig gewesen, ihm beim Aufladen zuzuschauen, mutmaßt Sascha Kleczka. Da der fast zwei Jahre alte Felix ein sehr neugieriger Hund sei, habe er wahrscheinlich eine Fährte aufgenommen und sei dieser gefolgt. „Vielleicht wollte er auch zur Kunsthochschule. Dort fährt er in den Wintermonaten mit mir immer in der Bahn hin.“

Das Herrchen musste für den vierbeinigen Schwarzfahrer übrigens nachträglich nichts zahlen, sagt Heidi Hamdad. „Wir haben ihn auf Kulanz umsonst mitgenommen.“ Und: „Der Fahrer ist so tierlieb, der hätte noch was gegeben für die nette Begleitung.“

In den kommenden Wochen kann man Felix, eine Mischung aus Schäfer- und Hütehund, vermutlich öfter mit Sascha Kleczka bei dem Kunstobjekt im Kaufhof am Opernplatz antreffen.

Felix begleitet sein Herrchen nämlich so gut wie immer. Wenn er nicht mal ausnahmsweise allein mit der Tram durch Kassel fährt.

Auch ein herrenloser Fisch fuhr schon mit

Dass Tiere allein in Bus und Bahn unterwegs sind, kommt immer mal wieder vor. Manche steigen allein zu, wie im Fall Felix, andere werden schlicht vergessen.

Im April 2011 wurde zum Beispiel ein herrenloser Fisch in einer Tram der Linie 5 gefunden. Ein KVG-Mitarbeiter hatte den Fisch in einer Plastiktüte auf einem Sitz entdeckt. Das Tierheim Wau-Mau-Insel lehnte die Annahme des Fisches ab, weil dort kein Aquarium vorhanden ist. Daraufhin wurde der Fisch zur Leitstelle nach Wilhelmshöhe gebracht und in einen Eimer mit frischem, kalten Wasser umgesetzt.

Das sah ein anderer Kollege und erschrak: Bei dem Fisch handelte es sich nicht um einen Goldfisch, wie ihm ursprünglich berichtet worden war, sondern um einen Skalar, einen Warmwasserfisch. Und dem bekommt kaltes und frisches Wasser gar nicht. Deshalb nahm der Mitarbeiter, selbst Besitzer eines Aquariums, den Fisch, den er auf den Namen Hugo taufte, mit nach Hause. Mittlerweile hat Hugo aber das zeitliche gesegnet, so KVG-Sprecherin Heidi Hamdad.

Sie berichtet auch davon, dass schon mal ein Vogel im Käfig in einer Bahn vergessen wurde.

Kurioses aus Kassel

Womöglich war es das Wetter, festzuhalten ist: Die Kuriositäten häuften sich zuletzt – der Hund in der Straßenbahn bildet insofern keine Ausnahme. Die Top drei:

  1. Die verirrten Künstler: Einige der Stars von Deutschland sucht den Superstar (DSDS) waren am Mittwoch zu Werbezwecken in Kassel – und das vollkommen orientierungslos. Erster Anruf in der Redaktion: „Wir haben uns verirrt. Wir finden das Schloss nicht.“ Zweiter Anruf: „Wir haben das Schloss verfehlt, wir sind jetzt am Herkules.“ Gefühlter 12. Anruf: „Wir kommen jetzt doch zum Schloss.“ 21. Anruf: „Es ist alles so groß hier, wo wollen wir uns treffen? Wir haben keine Orientierung.“ Wir haben die Künstler doch noch aufgegabelt. Bericht folgt.
  2. Der fehlende Sitz: Es kommt ja immer mal wieder vor, dass Sachen verschwinden – aber ein Kino-Sessel? Im Cinestar Kassel ist das nun passiert. Dort ist während einer Vorstellung ein ganzer Sitz gestohlen worden. Jetzt läuft die Suche nach dem Täter. Bleibt zu hoffen, dass er so orientierungslos ist wie die DSDS-Sternchen und plötzlich bei der Polizei auftaucht.
  3. Der fliehende Dealer: Dumm gelaufen ist es für einen mutmaßlicher Dealer, der sich am Montagabend auf der Flucht vor der Polizei offenbar seiner Drogen entledigen wollte: In der Tüte, die er wegwarf, befanden sich nämlich nicht nur 110 Gramm Haschisch, sondern dort war auch der Ausweis des Mannes. Der hatte sich zuvor gemeinsam mit einem weiteren Mann auf dem Parkplatz am Hallenbad Süd in einer dunklen Ecke herumgedrückt und war so einer Polizeistreife aufgefallen. Auf den 28-Jährigen aus Kassel kommt nun ein Verfahren wegen Drogenhandels zu. Gegen den anderen Mann auf dem Parkplatz ergaben sich laut Polizei keine Verdachtsmomente.

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