Missbrauchsfälle: Katholiken kritisieren  Untersuchungsabbruch

Kassel. Nach dem Stopp des Forschungsprojekts zur Aufklärung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche gibt es auch in Kassel Kritik. Geistliche und Laien äußern ihr Unverständnis und fordern eine Fortsetzung der Untersuchungen.

Es sei ein „katastrophales Zeichen“, sagt Regionaldechant Harald Fischer, wenn der Eindruck erweckt werde, dass mit der Unterbrechung der Untersuchung eine lückenlose Aufklärung verhindert wird.

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Eine Aufkündigung der Zusammenarbeit mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen und ihrem Leiter Christian Pfeiffer sei nur dann akzeptabel, wenn sie grundsätzlich und umgehend fortgesetzte werde und damit eine Verschärfung der Untersuchungen einhergehe. „Es darf auf gar keinen Fall der Eindruck einer Verschleierung entstehen“, sagt Fischer. Er rechnet mit Protesten innerhalb der katholischen Kirche.

„Es wirkt so, als würde die katholische Kirche die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle nicht ernst nehmen oder meinen“, sagt Marcus Leitschuh vom Pfarrgemeinderat der Kirche St. Elisabeth in Kassels Innenstadt und Mitglied im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken. „Das kommt einfach schräg rüber und ist richtig schlecht für die Außenwirkung.“ Dabei müsse man fairer Weise klar stellen, dass von den Bischöfen lediglich ein Methoden- beziehungsweise ein Personenwechsel gewünscht werde. Die aktuelle Aufklärungsarbeit scheine - “warum auch immer“, so Leitschuh - nicht zu funktionieren. „Ich habe Zutrauen, dass es jetzt weitergeht und die Akten nicht zugemacht werden.“ Ihm seit darüberhinaus keine gesellschaftliche Gruppe bekannt, die zur Aufarbeitung von Internas mit einem kriminologischen Institut zusammenarbeitet.

„Ich finde es ganz und gar nicht richtig, die Untersuchungen abzubrechen“, sagt Maria Tschöpe vom Pfarrgemeinderat der Kirche St. Laurentius in Philippinenhof-Warteberg. „Man muss unbedingt im Gespräch bleiben.“ Es sei nicht gut, wenn sich Kirche jetzt herausziehe und abblocke. Schließlich handele es sich bei den Missbrauchsvorwürfen um „arge Fälle“, die dringend aufgeklärt werden müssen. „Ich befürchte jetzt als Folge, dass Menschen aus der katholischen Kirche austreten.“ Die Menschen seien mit so einem Verhalten nicht einverstanden. Laien wünschten sich Transparenz und eine Entwicklung der Kirche „Die Untersuchungen müssen dringend weitergehen“, sagt Maria Tschöpe.

Auch Sigrid Malirsch vom Sozialdienst Katholischer Frauen bedauert die aktuelle Entwicklung. Sie sagt: „Ich habe zwar wenige Informationen über die Hintergründe und möchte mir deshalb auch kein Urteil über die Gründe für die Entscheidung erlauben, aber ich glaube, dass dadurch eine negative Stimmung erzeugt wird, die gar nicht notwendig wäre.“ Sie hoffe, dass die Untersuchungen fortgesetzt werden. Malirsch: „Ich bin nicht glücklich darüber, wenn jetzt eine Austrittswelle in der katholischen Kirche ausgelöst wird. Und über die Missbrauchsfälle erst recht nicht“, fügt sie hinzu.

Von Christina Hein

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