Bewährungsstrafe

Ehemaliger Kasseler Vermögensberater soll Geld verzockt haben

Kassel. Ein „Mister X“ steht zwischen dem angeklagten Ex-Vermögensberater und dem Straftatbestand des Betruges. So sieht es das Kasseler Amtsgericht.

Zwar hatte der 55-jährige Kasseler zugegeben, über 80.000 Euro von drei Anlegern entgegengenommen und über einen „Mister X“ in spekulative Deals gesteckt und verzockt zu haben. Aber der 55-Jährige sagte auch, zuvor seien auf diesem Wege Renditen von sechs Prozent drin gewesen.

„Meine Absicht war ja nicht, das Geld zu verbraten oder zu vermindern, sondern zu vermehren."

Der Angeklagte

„Meine Absicht war ja nicht, das Geld zu verbraten oder zu vermindern, sondern zu vermehren“, beteuerte er. Und weil das Gericht meinte, ihm das nicht widerlegen zu können, wurde der 55-Jährige nur wegen Untreue verurteilt: Zu einer Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Der Mann sei nicht vorbestraft, einsichtig und reuig, hielt ihm das Gericht zugute. 100 Stunden gemeinnützige Arbeit soll der Kasseler ableisten.

Auf eine Strafe dieses Zuschnitts hatten sich Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung nach der ersten Zeugenvernehmung verständigt. Einige der Zuschauer im Saal hatten ihre Schwierigkeiten damit.

Einige mochten schon nicht verstehen, warum nicht auch sie als Zeugen geladen worden waren - auch sie hätten hohe Summen verloren, die der 55-Jährige anzulegen versprach. Einige waren überzeugt, dass der Vermögensberater auch dann noch Geld entgegennahm, als ihm längst klar sein musste, dass etwas schieflief. Und alle hätten gern gewusst, wer der Unbekannte sein soll, dessen Name der Angeklagte nicht verraten wollte.

Der 55-Jährige hatte dem Gericht erzählt, dass sein Kontaktmann in Göttingen gesessen und irgendetwas mit der „Göttinger Gruppe“ zu tun gehabt habe. Er wolle den Mann nicht reinreißen, betonte er. Er wolle nicht, dass dessen Leben - wie sein eigenes - „auch noch kaputtgeht“.

In bar habe er die von den Anlegern bar übergebenen vier- bis fünfstelligen Summen zu dem Bekannten gebracht. In bar habe er auch Zinserträge abgeholt – oder Geld, das Kunden zurückverlangten. Solange das ging. Irgendwann habe er nur noch mit „einem Loch das andere gestopft“, sagte der Kasseler. Mit seinem Job für eine Finanzberatung habe das nichts zu tun gehabt.

Der einzig gehörte Zeuge sah das anders. Der Job habe dem Angeklagten einen Vertrauensvorschuss verschafft, den er weidlich ausgenutzt habe, sagt er. Er selbst habe 30.000 Euro Erspartes übergeben und gedacht, die würden bei einer Göttinger Bank angelegt. „Er hat mir sechs Prozent versprochen“, sagte der Zeuge: „100 Prozent sicher.“ Maximal 4000 Euro seien ihm als Zinsen ausgezahlt worden. Das angelegte Kapital habe er nicht wiedergesehen.

Von Katja Schmidt

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