Häuser-Markt in Kassel ist umkämpft

Mit 2000 Flyern zum Haus-Glück: Paar aus Kassel findet auf ungewöhnlichem Weg ein Eigenheim

Haben mithilfe von Flyern ein Haus gesucht und gefunden: Marten Paul und Jessica Wäscher mit einem ihrer Aushänge.
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Haben mithilfe von Flyern ein Haus gesucht und gefunden: Marten Paul und Jessica Wäscher mit einem ihrer Aushänge.

Jessica Wäscher und Marten Paul ging es lange Zeit wie vielen jungen Paaren aus Kassel: Sie wollen eine Familie gründen, fanden dafür aber einfach nicht die passende Immobilie. Weil der Häusermarkt in Kassel umkämpft ist, sind die Lehrerin und der Ingenieur einen ungewöhnlichen Weg gegangen.

Kassel - Doch zunächst ein Blick zurück: Im Herbst 2019 hatten die Verlobten den Entschluss gefasst, aus ihrer Wohnung in der Kasseler Südstadt ausziehen zu wollen. Für zukünftige Kinder ist dort nicht genug Platz. Doch zunächst war ihre fast anderthalb Jahre dauernde Suche vor allem von Ernüchterung geprägt. Sie durchkämmten das Internet und schalteten dort auch Anzeigen. Ohne Erfolg.

Vor allem ihren ursprünglichen Plan, selber zu bauen, mussten sie bald begraben. „Es gibt einfach keine Grundstücke in der Stadt“, erzählt Wäscher. Und wenn, seien sie nicht bezahlbar: Ein Einfamilienhaus-Grundstück im Harleshäuser Neubaugebiet „Zum Feldlager“ – für das sie sich beworben hatten – sei schließlich für ein Gebot von ungefähr 350 000 Euro verkauft worden.

Schließlich bekamen sie über den Immobilienmarkt der HNA doch die Chance, sich einige Häuser anzuschauen. Doch bei den Besichtigungen waren sie in der Regel nicht allein. Bei einigen Terminen hätten sie mit anderen Interessenten regelrecht Schlange gestanden. „Da steht man da wie ein Bittsteller und wird nicht selten in ein Bieterverfahren reingepresst“, erzählt Marten Paul. Einige Hausverkäufer hätten ihnen erzählt, dass sie auf ihre Angebote Hunderte E-Mails bekommen hätten.

Als besonders problematisch hat es das Paar wahrgenommen, dass wegen des angespannten Marktes relativ schnell ein Druck aufgebaut worden sei. Nach dem Motto: Entscheiden Sie sich schnell, sonst ist das Haus weg! Dabei sei es wichtig, so eine Entscheidung gut zu überlegen und die Immobilie mehrfach – auch mit Fachleuten – zu besichtigen. „Ich gebe ja nicht jeden Tag eine halbe Million aus“, sagt Paul.

Mitten im ersten Corona-Lockdown kam Jessica Wäscher dann die richtige Idee. Sie erstellte 2000 Flugblätter und verteilte sie gemeinsam mit ihrem Partner in Wohngebieten, die sich die beiden gut zum Leben vorstellen können. Sie haben die Flyer an Straßenlaternen, in Supermärkten und auf Spielplätzen aufgehängt, aber auch in Briefkästen geworfen. Auf dem Flyer stellen sich die beiden vor und bitten um Hinweise. 1500 Euro haben sie als Provision versprochen.

„Ich habe das am Anfang nicht für sonderlich erfolgversprechend gehalten“, gibt Paul zu. Er sollte sich zum Glück irren. „Wir haben durch die Aktion wunderschöne Häuser und viele tolle Menschen kennengelernt“, erzählt Wäscher. Einige hätten angerufen, um einfach nur viel Glück bei der Suche zu wünschen.

Ein älterer Herr habe seine liebevoll in Eigenleistung sanierte Villa im Viertel Neu-Holland verkaufen wollen, weil er nun ein neues Leben in einem Wohnwagen oder Tiny House beginnen wollte. „Das Haus war schön, aber die Lage war für uns zu weit draußen“, sagt Wäscher.

Doch schließlich wurde das Paar fündig. „Wir konnten sogar auswählen und standen nicht unter Druck“, sagt Paul zufrieden. Im Mai ziehen die beiden nun in ihr Einfamilienhaus in Kirchditmold. Die beiden hoffen, irgendwann ihren Kindern davon erzählen zu können, auf welch ungewöhnliche Weise sie zu ihrem Eigenheim gekommen sind – und wen sie dabei alles kennengelernt haben. (Bastian Ludwig)

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