Wohnhaus in Wehlheiden mit Kuppel auf dem Dach

Mit 80 greift er noch nach den Sternen: Kasseler hat Sternwarte auf dem Dach

Gruß aus der Kuppel: Heinrich Biermann in der Kuppel seiner privaten Sternwarte in Wehlheiden. In diesen Tagen hält er besonders nach Jupiter und Saturn Ausschau, die sich am Nachthimmel annähern.
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Gruß aus der Kuppel: Heinrich Biermann in der Kuppel seiner privaten Sternwarte in Wehlheiden. In diesen Tagen hält er besonders nach Jupiter und Saturn Ausschau, die sich am Nachthimmel annähern.

Kassel – Während sich viele Rentner für ihre Hobbys gerne in den Keller zurückziehen, zieht es Heinrich Biermann in sein Dach. Der Kasseler hat sich vor 17 Jahren auf sein Wohnhaus an der Wehlheider Feerenstraße eine Sternwarte bauen lassen.

In diesen Nächten hat er vor allem Jupiter und Saturn im Blick. Denn die Planeten nähern sich am Nachthimmel immer weiter an. Nur alle 20 Jahre kommt es zu einer Begegnung, die am 12. Dezember ansteht. „Meine letzte Chance“, ist sich der 80-Jährige sicher.

Der Hobby-Astronom ist ein offener und humorvoller Mensch. „Biermann, wie das Getränk“, stellt er sich vor. Nicht zum ersten Mal öffnet er seine Sternwarte für Besucher. Schon häufig kamen Passanten vorbei und staunten über den Aufbau auf seinem Haus. Kurzerhand lud er sie in seine Kuppel ein. „Jeder, der möchte, kann bei mir in die Sterne schauen“, lautet sein Angebot.

Der gelernte Dreher und Industriekaufmann hat über die Mathematik zu den Sternen gefunden. „Die Berechnung der Koordinaten der Sterne ist ein wunderbares Anwendungsfeld für die Mathematik“, sagt Biermann. Vor 30 Jahren schaffte er sich schließlich sein erstes Fernrohr an.

Inzwischen hat er ein Teleskop im Einsatz, das eine bis zu 400-fache Vergrößerung ermöglicht. Für dieses ließ er sich von der Kasseler Werkhütte die Sternwarte errichten. Einen fünfstelligen Betrag musste er für Aufbau und Technik investieren. „Ich habe nie ein Auto gefahren und nie geraucht. Da bleibt Geld in der Kasse“, erzählt der Kasseler.

Teure Technik: Das Teleskop von Heinrich Biermann schafft eine bis zu 400-fache Vergrößerung.

Ein Problem bereitet Biermann die zunehmende Lichtverschmutzung. „Es wird nachts in der Stadt immer heller“, sagt er. Dies mache die Beobachtung schwieriger.

Zu den beeindruckendsten Beobachtungen zählen für ihn der Orionnebel, die Monde des Jupiter und die Plejaden – ein Sternhaufen, der auch als Siebengestirn bekannt ist. Seine weitesten Beobachtungen reichen bis in den Andromedanebel, der 2,5 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt liegt. „Theoretisch kann es sein, dass die Galaxie gar nicht mehr existiert, weil das Licht so lange unterwegs ist“, sagt Biermann. Solche Gedanken faszinieren den Kasseler.

Auf einem Zettel neben seinem Teleskop hängt stets eine Liste mit den Himmelskörpern, die sich in der folgenden Nacht gut beobachten lassen. Am siebten Tag nach Neumond ist dort auch jener Mondkrater verzeichnet, in dem die ersten Menschen mit Apollo 11 auf dem Erdtrabanten landeten. „Den Krater schaue ich mir gern an.“ Um das elektronisch gesteuerte Teleskop auszurichten, muss er nur die entsprechenden Koordinaten in den Computer eingeben.

Das Wohnhaus an der Feerenstraße: Vor 17 Jahren ließ sich Biermann die Sternwarte installieren.

Aber wird ihm das Sternegucken nach all den Jahren nicht langweilig? „Nein, es gibt ja so viele Fixsterne und Sternennebel, die so viel Interessantes bieten.“ Manchmal kann er auch seine Frau überzeugen, mit ihm in die Kuppel zu steigen. Dieser falle der Aufstieg aber zunehmend schwerer.

Einen Wunsch hat der Hobby-Astronom noch. Er möchte die Eigenbewegung der sehr weit entfernten Fixsterne beobachten. Aber selbst bei den „Schnellläufern“ unter den Fixsternen müsse er mit seiner Technik 20 bis 30 Jahre lang den Himmel beobachten, um die Bewegung zu registrieren. „Mal schauen, ob ich das noch schaffe“, sagt er. (Bastian Ludwig)

Kontakt: Wer Interesse hat, mal durch das Teleskop von Heinrich Biermann zu schauen, darf sich gerne bei ihm melden. 0561/ 26867

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