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Mit den Eltern gratis, mit der Kita nicht: Kindergruppen in der Region müssen im ÖPNV zahlen

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Von: Katja Rudolph

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Die Kinder der Kita Rennfüchse mit Leiterin Susanne Fuchs-Bebenroth und Erzieherin Sonja Paul-Scholz beim Einsteigen in eine Tram.
Auf in den Bergpark: Ausflüge mit Bus und Bahn sind für Kita-Gruppen ein hoher Kostenfaktor. Im Bild die Kinder der Rennfüchse mit Leiterin Susanne Fuchs-Bebenroth und Erzieherin Sonja Paul-Scholz. © Dieter Schachtschneider

Kassel – Kinder unter 6 Jahren fahren in Bus und Bahn in Kassel und Umgebung eigentlich kostenlos mit. Das gilt aber nicht für Kita-Gruppen. An der Regelung gibt es Kritik wegen der hohen Fahrtkosten, die Ausflüge mitunter erschweren.

Für die Kinder der Kita „Rennfüchse“ im Vorderen Westen war der Ausflug zum Herkules mit Wanderung durch den Bergpark am Donnerstag ein tolles Erlebnis – wie immer, wenn einmal in der Woche der Waldtag ansteht. Doch für die Kita-Kasse bedeutet jeder Ausflug beachtliche Kosten. Für Hin- und Rückfahrt mit 20 Kindern und zwei Erwachsenen fallen fast 42 Euro an.

Zwar dürfen bis zu drei Kinder unter sechs Jahren im NVV-Gebiet kostenlos mit Bus und Bahn fahren, sofern sie mit einer erwachsenen Begleitperson unterwegs sind. Kita-Gruppen jedoch müssen reguläre Fahrkarten lösen. Die günstigste Variante ist dabei ein Großgruppenticket. Im Stadtgebiet kostet das für Kita- und Schulgruppen 95 Cent pro Person und Fahrt, auch die erwachsenen Aufsichtspersonen zahlen dabei den Kinderpreis. Für Hin- und Rückfahrt sind das also 1,90 Euro pro Gruppenmitglied.

Für die Kita Rennfüchse schlagen die Fahrten ins Grüne und zum Schwimmen mit bis zu 160 Euro pro Woche zu Buche, berichtet Leiterin Susanne Fuchs-Bebenroth. „Das ist ein hoher Kostenfaktor.“ 80 Euro Fahrtkosten erhebt die Kita daher pro Jahr zusätzlich zum Betreuungsentgelt von den Eltern. Zum Glück könnten die meisten Familien im Einzugsgebiet sich das leisten, so die Kita-Leiterin. Dennoch würde sie es befürworten, wenn Kita-Gruppen kostenlos befördert würden oder beispielsweise ein kostengünstiges Jahresticket erwerben könnten. „Das würde auch das lange Gewürge mit dem Kleingeld am Fahrkartenautomaten ersparen“, sagt Fuchs-Bebenroth. Scheine spucke das Gerät nämlich häufig wieder aus.

Das sieht Anja Nicolaus von der Kindergruppe „Flohzirkus“ in Kirchditmold ähnlich. Hier zahlen die Eltern eine monatliche Pauschale von 10 Euro für die regelmäßigen Tramfahrten zur Hessenschanze. Sie könne nicht nachvollziehen, warum kleine Kinder in Begleitung der Eltern kostenlos fahren dürfen, aber mit dem Kindergarten zahlen müssen: „Das sind ja trotzdem dieselben Kinder.“ Die hohen Kosten für die Gruppenfahrten sorgten dafür, dass man sich – abgesehen vom wöchentlichen Waldtag – gut überlege, ob und welche weiteren Ausflüge man mache. „Es nimmt einem die Spontaneität“, sagt die Erzieherin. In der Kita „Nordstern“ in Nord-Holland ist die Situation verschärft.

Dort haben viele Familien ohnehin nur das Nötigste zum Leben. Wöchentliche Ausflüge in den Wald oder zu anderen Zielen fielen da angesichts der Fahrtkosten flach, sagt die stellvertretende Kita-Leiterin Karin Brandl. Zwei Euro seien für die meisten Familien viel Geld. „Wir müssen uns gut überlegen, was drin ist“, sagt Brandl. Dabei versuche man ohnehin schon, einen Teil der Fahrtkosten aus Fördertöpfen zu decken.

Gerade in der dicht besiedelten und mit Verkehr belasteten Nordstadt aber wäre es für die Kinder wichtig, Naturerfahrungen zu machen, so die Erzieherin. Viele kämen aus bildungsfernen Familien und seien noch nie weiter als bis zum Rathaus aus dem Stadtteil herausgekommen.

Zuletzt waren die Nordstern-Kinder im November im Tanztheater im Dock 4: ein beeindruckendes Erlebnis für die Mädchen und Jungen, so Brandl. Eines, das die Kita ihnen gern öfter ermöglichen würde.

Das sagt der NVV:

Wir haben beim Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV) nachgefragt, warum Kita-Gruppen eine Fahrkarte benötigen, obwohl bis zu drei Kinder unter sechs Jahren mit einer erwachsenen Begleitperson kostenfrei fahren dürfen. Der NVV ist für die Tarifbestimmungen aller beteiligten Verkehrsunternehmen zuständig, also auch der KVG. Die Regelung habe mit den Platzkapazitäten in den Fahrzeugen zu tun, sagt eine NVV-Sprecherin. „Eine Familie mit Kindern nimmt zum einen deutlich weniger Plätze in Anspruch als eine Kita-Gruppe.“ Zum anderen seien Kindergartengruppen oft während der Stoßzeiten unterwegs, wenn zum Beispiel auch viele Schülerinnen und Schüler unterwegs seien und die Fahrzeuge ohnehin schon stark ausgelastet seien. „Deshalb ist es aus Sicht des NVV notwendig, auch von Kindergartengruppen ein Beförderungsentgelt zu erheben, ohne auf unser familienfreundliches Angebot des kostenfreien Fahrens für Kinder unter sechs Jahren unter den genannten Bedingungen zu verzichten“, so die Sprecherin.

Von Katja Rudolph

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