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Sie praktiziert die Energiewende: Kassel hat CO₂-neutrale Kirchengemeinde

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Von: Katja Rudolph

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Eine katholische Kirchengemeinde in Kassel ist Vorreiter in Sachen Energiewende - und hat diesen Winter kaum Sorgen beim Heizen.

Kassel – Kalte Füße in der Kirche? Das muss man in den katholischen Pfarrgemeinden Herz Jesu und St. Theresia in Kassel in diesem Winter nicht befürchten. Dort wird trotz Energiekrise geheizt wie immer: auf für aktuelle Kirchenverhältnisse fast schon mollige 16,5 Grad im Gottesdienst. Verantwortungslos? Von wegen.

Die Wärme für die beiden Kirchen und weitere Gemeindegebäude stammt aus nachhaltigen Pelletheizungen. Und eine große Solaranlage auf den Dächern des Kindergartens und angrenzenden Pfarrheims von St. Theresia an der Heinrich-Schütz-Allee erzeugt mehr Strom, als insgesamt verbraucht wird. „1500 Euro aus der Einspeisevergütung können wir sogar jeden Monat für soziale Projekte spenden“, sagt Pfarrer Thomas Günst.

Er und die Gemeindegremien haben schon früh die Zeichen der Zeit erkannt und auf erneuerbare Energien umgestellt. Damit ist die katholische Pfarrei Vorreiter in der Kirchenlandschaft in Nordhessen. Vor 13 Jahren wurde die Photovoltaikanlage installiert – und seither immer weiter gearbeitet, um unabhängig von fossilen Energieträgern zu werden. Finanziert hat die Gemeinde das aus Rücklagen und mit viel Eigenleistung.

Geheizt wird mit Holzpellets: Geza Horváth vom Verwaltungsrat der Kirchengemeinde zeigt die Heizanlage, die Kirche, Pfarrheim und Kindergarten versorgt.
Geheizt wird mit Holzpellets: Geza Horváth vom Verwaltungsrat der Kirchengemeinde zeigt die Heizanlage, die Kirche, Pfarrheim und Kindergarten versorgt. © Pia Malmus

Kassel hat CO₂-neutrale Kirchengemeinde: „Das sind wir komplett weg vom Gas“

Aktuell bereitet Thomas Günst sein Carport am Pfarrhaus in Niederzwehren für einen Röhrenkollektor für Warmwasser vor. Damit will er den Verbrauch der zuletzt deutlich teurer gewordenen Pellets senken. Auch das Gemeindehaus in Niederzwehren wird in Kürze über die Pelletheizung mitversorgt. „Das sind wir komplett weg vom Gas“, sagt der Pfarrer.

Gas aus Russland sei ihm schon vor dem Krieg gegen die Ukraine suspekt gewesen wegen dortiger Menschenrechtsverletzungen, so Thomas Günst: „Vor allem aber haben wir die Bewahrung der Schöpfung auf der Agenda stehen.“ Das treibt ihn seit jeher an in seinen Bemühungen um eine nachhaltige Energieversorgung.

Geza Horváth vom Verwaltungsrat von St. Theresia gibt zu, dass er anfangs skeptisch war. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir damit so viel einsparen können.“ Die Gemeinde habe ihre Energiekosten um mehr als die Hälfte reduziert – und wirtschaftet nun CO₂-neutral. Vormals habe man 20 000 Liter Öl pro Jahr für die Heizung gebraucht, sagt Horvath. Heute stellt man St. Theresia und Herz Jesu mit gutem Gewissen die Heizung an – auch in diesen Zeiten. (Katja Rudolph)

Auch in Sachen Verkehr schreitet die Energiewende Nordhessen voran. Seit Kurzem zählt die Gegend um Kassel zu den vom Bundesverkehrsministerium geförderten HyExperts-Regionen, die an Wasserstoffprojekten arbeiten.

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