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Mit Hilfe zum Seepferdchen: Immer weniger Kinder können schwimmen – Aktion in Kassel

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Von: Christina Hein

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Das Seepferdchen ist das Ziel: Viele Kinder bekommen jetzt Unterstützung, um Schwimmen zu lernen.
Das Seepferdchen ist das Ziel: Viele Kinder bekommen jetzt Unterstützung, um Schwimmen zu lernen. © Uli Deck/dpa

Insgesamt 500 Kasseler Grundschulkinder sollen in diesem Jahr in Kursen das Schwimmen erlernen und am Ende möglichst das Frühschwimmerabzeichen Seepferdchen ablegen.

Kassel - Das ist das Ziel des Rotary-Clubs Kassel, der insgesamt 30 000 Euro aufbringt, um das Angebot zu ermöglichen. Hintergrund ist die zunehmende Verschlechterung der Schwimmfähigkeit von Kindern in Kassel wie anderswo. Schon vor Corona konnten fast 40 Prozent der Zehnjährigen in Deutschland nicht sicher schwimmen.

„Die Pandemie hat das weiter verschärft“, sagt Linda Hohmann, Jugendreferentin beim Deutschen Schwimm-Verband (DSV) mit Sitz in Kassel. Wegen der Lockdowns der vergangenen Monate konnten Zehntausende Kinder in Deutschland nicht schwimmen lernen. Dadurch dass die Schwimmbäder über Monate geschlossen waren, habe sich viel aufgestaut, so Hohmann. Zusammen mit der DLRG gebe es jetzt unter dem Motto „Aufholen nach Corona“ in allen Landesverbänden des DSV Projekte, um den Stau abzubauen. Die Initiative des Rotary-Clubs Kassel findet Hohmann klasse.

Das ist das Frühschwimmerabzeichen

Wer das Abzeichen Seepferdchen ablegt, muss die Baderegeln kennen; praktische Prüfungsleistungen sind: Sprung vom Beckenrand mit anschließendem 25-Meter-Schwimmen in Bauch- oder Rückenlage. Zudem muss mit den Händen ein Gegenstand aus schultertiefem Wasser gezogen werden. Die DLRG betont, dass das Seepferdchen noch kein Nachweis für sicheres Schwimmen ist. Dies wird erst mit den Schwimmabzeichen Bronze, Silber und Gold nachgewiesen.

Der Plan der Rotarier sieht vor, dass Sportstudierende der Uni Kassel die Schwimmkurse geben. Die Rotarier haben auch für die Rahmenbedingungen gesorgt: Die Städtischen Werke stellen kostenlos die Schwimmflächen zur Verfügung und die KVG bringt die Kinder mit dem Bus zum Bad und holt sie nach dem Kurs auch wieder ab. Begleitet werden die Hortkinder von ihren Betreuerinnen und Betreuern.

Rotarier-Präsident Thomas Voelzke und sein Nachfolger Bertram Hilgen sind sich einig: „Unser Gemeinschaftsprojekt nützt den Kindern vielfältig: Schwimmen verbessert die motorischen Fähigkeiten und beugt Bewegungsmangel vor. Die Gefahr schwerer Badeunfälle wird reduziert und vor allem: Schwimmen macht Spaß.“ Zur Finanzierung stellen die Rotarier 20 000 Euro zur Verfügung. Unternehmen aus Kassel, allen voran die Kasseler Sparkasse, die EWG und das Mercedes-Benz Werk, haben die Summe um insgesamt weitere 10 000 Euro aufgestockt.

In den Ferien gehts ins Bad: Grundschulen Lindenberg, Fasanenhof und Waldau beginnen mit Schwimmkursen

Es gibt viele gute Gründe dafür, dass Kinder schwimmen lernen sollten: „Schwimmen verbessert die motorischen Fähigkeiten und beugt Bewegungsmangel vor“, erklären der aktuelle und der künftige Präsident des Rotary-Clubs Kassel, Thomas Voelzke und Bertram Hilgen.

Ein Anliegen der Initiatoren des Projekts „Kasseler Kinder lernen schwimmen“ ist es aber auch, die Gefahr von schweren Badeunfälle zu reduzieren. Weil sich Hilgen, Voelzke und ihre Clubkollegen Sorgen machen angesichts des negativen Trends der letzten Jahre, nämlich einer schwindenden Kompetenz von Kindern, schwimmen zu können, entstand die Idee zum Projekt, Kasseler Kindern Schwimmkurse zu ermöglichen. In den Osterferien sollen die ersten Kurse starten.

Den Auftakt für das Projekt, an dem 500 Grundschüler teilnehmen, machen fünf Gruppen mit insgesamt 80 Kindern aus der Fasanenhofschule, der Grundschule Waldau sowie der Grundschule Lindenberg, die an Kursen im April teilnehmen.

Ziel ist es, dass die Kinder zum Abschluss eine Urkunde erhalten und ein entsprechendes Abzeichen, das Seepferdchen oder den Frosch, sowie ein Heft, aus dem hervorgeht, welche Übungen sie erlernt haben. Das Schwimmabzeichen „Frosch“ wird Schwimmanfängern und Neuschwimmern beim Bestehen einer kleinen Schwimmprüfung verliehen, noch vor dem Seepferdchen.

„Die Kurse in den Osterferien dienen als Pilot“, sagt Bertram Hilgen. In den Sommerferien soll weiteren 420 Grundschülerinnen und Grundschülern das Schwimmen beigebracht werden. Die Kurse werden im Auebad und im Hallenbad Süd stattfinden. Die erforderlichen Zeiten und Flächen sind bereits reserviert.

Bei vielen Schwimmschulen in Kassel und dem Landkreis gibt es lange Wartelisten

Bis zu tausend Kinder, die warten, sind keine Seltenheit. Schon früher habe es Wartelisten gegeben, sagt Frank Fröhlich von der Schwimmschule Baunatal, aber Corona und die über Monate geschlossenen Bäder hätten die Situation um ein Vielfaches verschärft. Das sei für die Kinder, die 2020 und 2021 Schwimmen lernen wollten, „leider sehr schade“, sagt auch Fröhlichs Kollegin Nadja Ranft.

Wegen der wachsenden Zahl der Nichtschwimmer sehen die Experten auch eine höhere Gefahr für Badeunfälle. „Der überwiegende Teil der Kinder, die aktuell im Vorschulalter sind, wird nicht schwimmen können“, warnt DLRG-Ausbilderin Nadja Ranft. Damit werde der Nichtschwimmeranteil nochmals stark nach oben gehen. Die Tendenz sei schon vor Corona schlecht gewesen und werde sich nun noch verschlechtern.

Ein Grund für die Not der Schwimmlehrer sei auch die begrenzte Anzahl an Schwimmbädern. „Wir suchen schon überall nach Schwimmhallen“, so Fröhlich. Er möchte sich gar nicht ausmalen, wie die Situation in Baunatal wäre, wenn das Aus für den Aqua-Park beschlossen worden wäre. „Aber das Bad bleibt uns ja Gott sei Dank erhalten.“ Schwimmen zu lernen sei schließlich sehr wichtig.

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