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Mit Leib und Seele Kirchenmensch: Prälat Bernd Böttner geht in den Ruhestand

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Von: Katja Rudolph

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Der scheidende Prälat Bernd Böttner vor dem Haus der Kirche an der Wilhelmshöher Allee.
Letzte Station seines Berufslebens: Bernd Böttner war 40 Jahre für die Evangelische Kirche tätig, zuletzt als Prälat. © Andreas Fischer

Wechsel an der Spitze der Evangelische Landeskirche: Prälat Bernd Böttner, Stellvertreter der Bischöfin, geht in den Ruhestand.

Kassel – Wenn man sich die gut 40 Jahre anschaut, in denen Bernd Böttner in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) tätig war, wirkt es wie eine zielgerichtete Entwicklung: von der Pfarrstelle im kleinen Ort Jesberg bei Schwalmstadt über das Dekanat des damaligen Kirchenkreises Eisenberg in Korbach bis zum Amt des Propsts im Sprengel Hanau.

Die letzten vier Jahre verbrachte er als Prälat – also theologischer Vertreter der Bischöfin – auf der höchsten Ebene der Landeskirche und in der Großstadt Kassel.

Eine geplante Karriere steckte allerdings nicht dahinter, sagt der 65-Jährige, der am Montag in den Ruhestand verabschiedet wird. Vielmehr habe ihn immer angetrieben, seine Erfahrungen für seine Kirche und die Menschen einzubringen. „In jeder Stufe war ich ganz da und habe mich wohlgefühlt“, betont der 65-Jährige.

Wer mit Bernd Böttner spricht, merkt schnell: Die Kirche ist seine Heimat. „Ich bin mit Leib und Seele Pfarrer“, sagt er – und meint damit nicht einen Job, sondern eine Berufung, die er schon als Jugendlicher verspürte. Sein Elternhaus, ein Bauernhof in Grebendorf im Kreis Eschwege, ist bis heute Böttners zweites Zuhause. Vorerst will er aber mit seiner Frau, die als Lehrerin arbeitet, in der Wohnung auf der Kasseler Marbachshöhe bleiben. Zwei der vier erwachsenen Kinder haben selbst den Pfarrberuf ergriffen. Auch über sie, ebenso wie über die regelmäßigen Predigten in der Dreifaltigkeitskirche, habe er im von viel Verwaltungsarbeit, Akten und Sitzungen geprägten Leitungsamt nie den Bezug zur Basis verloren, sagt er.

Bodenständigkeit zeichnete den scheidenden Prälaten aus, der keine Spur von Dünkel aufweist. Auch als Kirchenmanager war es ihm wichtig, seine Aufgaben „seelsorgerisch“ auszuüben – zugewandt, anerkennend und um für alle Seiten tragbare Lösungen bemüht. Grantig konnte er manchmal trotzdem werden – dann, wenn er die Kirche zu Unrecht angegriffen sah. Dass Kritik ihn mitunter auch persönlich traf, ist Böttner durchaus als Schwachstelle bewusst. Zugleich ist es Ausdruck der Stärke seiner Verbindung zur Kirche, die als Institution für ihn dennoch an zweiter Stelle stand: „In erster Linie arbeite ich für den Herrn der Kirche.“

Dass es im Kern darum geht, das Evangelium zu verkünden, hatte er auch im Kopf, wenn es darum ging, Entscheidungen für die kleiner werdende Kirche zu treffen. Allein in den vergangenen 20 Jahren ist die Mitgliederzahl in Kurhessen-Waldeck um ein Viertel zurückgegangen, aktuell gehören rund 750 000 Menschen der EKKW an. Jedes aufgegebene Pfarrhaus und jede abgebaute Pfarrstelle schmerze, gibt Böttner zu. Doch Strukturen zu schaffen, damit die Kirche auch in Zukunft ihrem Auftrag gerecht werde, war für den Prälaten auch eine sinnstiftende Aufgabe. Wichtig war ihm dabei, „solche Notwendigkeiten für alle plausibel zu machen“, so Böttner.

Auf Trab gehalten hat ihn in den letzten zwei Jahren auch der Umgang mit der Pandemie. Mit jeder neuen Corona-Schutzverordnung galt es auch die Regeln und Empfehlungen für Gottesdienste zu überprüfen. Schlaflose Nächte habe ihm das Feiern von Präsenzgottesdiensten angesichts des Hygienekonzepts nie gemacht, sagt Böttner: „Da habe ich eher bei der Fußball-EM Bauchschmerzen gehabt.“

Die Verantwortung nun abgeben zu können, empfindet der 65-Jährige dennoch als Erleichterung. „Es ist jetzt auch genug“, sagt Böttner. Und freut sich auf den noch unverplanten Ruhestand mit mehr Zeit für die Familie, zu der inzwischen auch fünf Enkelkinder gehören.

In einem Gottesdienst am Montag, 31. Januar, ist Prälat Bernd Böttner verabschiedet und sein Nachfolger eingeführt worden. Auf ekkw.de ist der Livestream aus der Christuskirche noch abrufbar. (Von Katja Rudolph)

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