Stressfreieres Lernen

Mit Lore liest’s sich besser: Die Schulhunde an der Pestalozzischule

Kassel. Morgens um 8 im Lehrerzimmer der Pestalozzischule, einer Förderschule für Lernhilfe: Die Pädagogen bereiten sich auf den Unterrichtsbeginn vor – die zweibeinigen und die vierbeinigen, muss präzisiert werden, denn unter den Lehrern befinden sich auch Lore und Karlsson, die beiden Schulhunde.

Schwanz wedelnd begrüßt Karlsson, der schokobraune Labrador, seine Kollegin Lore, einen zierlichen Kavalier-King-Charles-Spaniel.

Die Schüler der Klassen 7 b und 5/6 werden an drei Tagen in der Woche von den knapp drei Jahre alten ausgebildeten Therapiehunden besucht. Nicht nur zum Vergnügen und Verteilen von Streicheleinheiten, sondern weil die Lehrerinnen Kaja Börner-Cäsa und Ina Becker feststellen, dass sich die Anwesenheit ihrer Hunde im Klassenraum positiv auf das Lern- und Sozialverhalten der Schüler auswirkt. Das Stichwort heißt „tiergestützte Pädagogik zur Verbesserung der Lernatmosphäre“. Die Kinder verhalten sich disziplinierter, rücksichtsvoller, sozialer in Anwesenheit der Schulhunde, so die Pädagoginnen. Auffällig ist, wie ruhig es in der Klasse ist. Seitdem sie den Schülern die Anatomie des Tiers nahegebracht und erklärt hatte, dass Hunde sehr empfindliche Ohren haben, ermahnten sich die Kinder gegenseitig leise zu sein, sagt Ina Becker.

Lore ein Kunststück beizubringen, erfordert Disziplin – nicht nur beim Hund: Ajaly (von links) darf Schulhündin Lore erst das Leckerli geben, wenn sie gehorsam war. Lehrerin Kaja Börner-Cäsa, Leon und Jessica passen genau auf. Fotos: Malmus

Heute werden Lore Kunststücke beigebracht. Dabei lernen Jessica, Leon und Ajaly und die sieben anderen zehn-, elfjährigen Kinder in der Klasse, dass sie deutlich sprechen müssen, damit der Hund ihnen gehorchen kann. Auch rechts und links – die Hand mit dem Leckerli – sollen nicht verwechselt werden. Geduld und Disziplin müssen Trainer und Hund gleichermaßen aufbringen. „Die Kinder lernen spielend Verantwortung zu übernehmen“, sagt Ina Becker, die bereits an der Astrid-Lindgren-Schule mit ihrem Hund gearbeitet hat.

Irgendwann verzieht sich Leon mit einem Buch in die Leseecke. Lore begleitet ihn. Neben ihr fühlt sich Leon sicher und entspannt. Ohne Sprachfehler liest er Lore leise vor. „Ein Hund nimmt den Kindern ihre Blockaden“, sagt Kaja Börner-Cäsa. „Die Hunde spiegeln den Kindern ihr Verhalten wider. Auf Kinder, die unter Druck stehen, aggressiv sind, wirkten sie beruhigend.

Hunde an acht Schulen

Nicht nur in Förderschulen wird mit Hunden gearbeitet, auch Grundschulen setzten zunehmend auf vierbeinige Mitarbeiter. Nach Angaben des Staatlichen Schulamts sind in acht Kasseler Schulen Hunde im Einsatz.

„Lore und Karslsson sind unsere Freunde“ ist auf einem Plakat in der Klasse zu lesen. Dass sich die Schüler morgens auf die Schule freuen, ist zu einem großen Teil auch der Verdienst von Lore und Karlsson.

Das sagt das Schulamt

„Eine rechtliche Vorschrift für den Einsatz von Schulhunden existiert nicht“, sagt Sabine Schäfer, die stellvertretende Leiterin des Staatlichen Schulamts in Kassel. War das Halten von Tieren in Klassenräumen in der bis 2005 geltenden Fassung der Aufsichtsverordnung noch untersagt, so bestehe jetzt kein solches Verbot mehr. Die Genehmigung erfolge in Zuständigkeit der Schule. Es gelten die allgemeinen Vorschriften. Zu beachten sei die Notwendigkeit eines pädagogischen Konzepts für den Einsatz des Hundes, Eltern und Schüler müssten aufgeklärt werden. Es muss eine Einverständniserklärung der Eltern vorliegen. Der Hundeführer müsse Fachkenntnisse haben und der Hund ein freundliches Wesen. In der Schule müssten die Hygienevorschriften eingehalten werden, etwa die Möglichkeit zum Händewaschen in den Klassen.

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