Kaum noch Taufen in den Kirchen

Segen mit Abstand und Maske: Warum eine Familie in der Pandemie taufen ließ

Taufe in der Pandemie: Sebastian Kühne und Tina Blanke mit Tochter Sonja (4) und dem acht Monate alten Alexander haben sich mit Pfarrer Joachim Löber für den HNA-Artikel nochmal in der Immanuelkirche getroffen.
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Taufe in der Pandemie: Sebastian Kühne und Tina Blanke mit Tochter Sonja (4) und dem acht Monate alten Alexander haben sich mit Pfarrer Jochen Löber für den HNA-Artikel nochmal in der Immanuelkirche getroffen.

In der Coronakrise treten kaum noch Menschen vor den Traualtar in den Kirchen. Ebenso ist die Zahl der Taufen seit Beginn der Pandemie stark zurückgegangen. Den Hauptgrund sehen die Kirchen darin, dass Paare und Familien den jeweiligen Anlass mit einem größeren Fest verbinden wollen – was derzeit aufgrund der Kontaktbeschränkungen nicht möglich ist. Wir stellen eine Familie vor, die sich trotz der Coronaumstände für die Taufe ihres Kindes entschieden hat.

Kassel – Der acht Monate alte Alexander fand die Entscheidung seiner Eltern offensichtlich gut: Bei seiner Taufe in der evangelischen Immanuelkirche vor vier Wochen strahlte der Säugling den Pfarrer Jochen Löber an und verfolgte interessiert das Geschehen. Trotz der Pandemie und der damit verbunden Einschränkungen hatten sich Tina Blanke und Sebastian Kühne dafür entschieden, ihr zweites Kind jetzt taufen zu lassen.

„Wir haben schon überlegt, ob wir es verschieben“, sagt die 37-jährige Mutter. Doch die Taufe sei in ihrer Familie ein wichtiges Ritual als „Willkommen im Leben“. Die ältere Tochter Sonja wurde im gleichen Alter wie jetzt ihr Brüderchen getauft. Deshalb habe man sich entschieden, die Taufe in der Kirche jetzt und das Familienfest dazu später zu feiern. „Wir hoffen, dass wir das im Sommer nachholen können mit Grillen und Kuchen im Garten“, sagt Vater Sebastian Kühne.

Seit Mitte Januar werden an der Immanuelkirche im Forstfeld wieder Gottesdienste gefeiert, nachdem die Gemeinde aufgrund der hohen Infektionszahlen ab kurz vor Weihnachten damit pausiert hatte. Die Taufen finden derzeit aber nicht im Gemeindegottesdienst, sondern in einer separaten Feier danach statt, erklärt Pfarrer Jochen Löber. Denn die Plätze in der Kirche sind coronabedingt begrenzt.

Alexanders Taufe wurde mit dem engen Familienkreis von 15 Personen gefeiert, erzählt Tina Blanke. Es sei zwar ungewöhnlich gewesen, nicht mit der Gemeinde zu feiern, aber es habe auch seinen Reiz gehabt. In dem intimen Rahmen stehe die Taufe mehr im Mittelpunkt, und es bleibe mehr Raum für persönliche Worte, formuliert es Pfarrer Löber. Gemeinsamer Gesang ist derzeit zwar nicht möglich, dafür sang seine Frau Natalia die von der Tauffamilie ausgewählten Lieder.

„Es war etwas fürs Herz“, sagt Tina Blanke mit einem Lächeln. Dabei habe sie auch nicht weiter gestört, dass während des gesamten Gottesdiensts und am Taufbecken Masken getragen wurden. Daran habe man sich inzwischen ja gewöhnt.

Seit der Wiederaufnahme der Gottesdienste hat Pfarrer Löber in diesem Jahr bereits fünf Taufen vorgenommen. Drei weitere Termine sind angemeldet. Damit dürfte die Immanuelkirche Rekordhalter sein. In vielen anderen Gemeinden sind Taufen seit beginn der Pandemie die Ausnahme.

Bei Pfarrerin Sabine Kresse von der Erlöserkirche Harleshausen sind die Taufen im vergangenen Jahr um zwei Drittel zurückgegangen. Wenn Taufanfragen kämen, sei das Erste die Frage nach den Hygienebedingungen, sagt die Pfarrerin. Sie lasse derzeit die Eltern oder die Paten das Wasser über den Kopf des Täuflings träufeln. „Ich habe eben keine anderthalb Meter langen Arme.“ Trotz aller Einschränkungen findet Kresse eines positiv: Die ungewöhnlichen Bedingungen eröffneten auch neue Spielräume zur Ausgestaltung solcher Gottesdienste. Das sieht auch Stadtdekan Michael Glöckner so. Im vergangenen Jahr seien auch vereinzelt Taufen im häuslichen Garten gefeiert worden. (Katja Rudolph)

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