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Kasselerin fährt mit Fahrrad zur Klimakonferenz - und trifft dort sogar Ägyptens Präsident

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Von: Kathrin Meyer

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Mehr als 8000 Kilometer hat Dorothee Hildebrandt in den vergangenen Wochen mit ihrem Fahrrad zurückgelegt. „Miss Piggy“ ließ sie auf dem Weg zur Klimakonferenz nicht im Stich. 

Kassel/Scharm El-Scheich – „Miss Piggy“ hat Dorothee Hildebrandt das rosafarbene E-Bike getauft, mit dem sie unterwegs ist. In Katrineholm südwestlich von Stockholm ist sie am 1. Juli aufgebrochen, um pünktlich zur Weltklimakonferenz in Scharm El-Scheich zu sein. Die Konferenz findet noch bis Ende dieser Woche in Ägypten statt.

Ihre vier Monate lange Reise sieht Hildebrandt als Zeichen, um stärkere Maßnahmen im Klimaschutz zu bewirken, bereits im vergangenen Jahr war sie mit dem Fahrrad 2500 Kilometer zur Klimakonferenz nach Schottland gefahren. Diesmal fuhr sie über Deutschland, Frankreich, die Schweiz, Ungarn, Kroatien, Bulgarien und die Türkei. Von dort habe sie eine Fähre in den Libanon genommen und sei weiter bis nach Jordanien gefahren, ehe sie das letzte Stück nach Ägypten erneut per Fähre zurückgelegt habe. Eigentlich wollte Hildebrandt die ganze Strecke über Land zurücklegen, das sei aber wegen des Kriegs in der Ukraine nicht möglich gewesen.

In Kassel geboren, zur Klimakonferenz geradelt: Ägyptischer Präsident fährt ein Stück mit

„Ich hatte gehofft, dass ich den hochrangigen Leuten mit meiner Tour eine Botschaft senden kann“, sagt die 72-Jährige. Und tatsächlich bekam sie eine Whatsapp-Nachricht. Auch über Social Media erreichten Hildebrandt, die ihr Abitur an der Friedrich-List-Schule in Kassel gemacht hat, Mitteilungen, dass der ägyptische Minister für Jugend und Sport sie treffen und der ägyptische Präsident sie zu einer Fahrradtour einladen wolle. Mit Präsident Abdel Fattah al-Sisi fuhr sie dann ein Stück durch die Stadt. Beim Abschied sprach die 72-Jährige den Staatschef auf die in Ägypten faktisch verbotenen Proteste an.

8000 Kilometer für den Klimaschutz: Dorothee Hildebrandt stammt aus Kassel, mittlerweile lebt sie in Schweden. Von dort ist sie mit dem Rad zur Klimakonferenz nach Ägypten gefahren.
8000 Kilometer für den Klimaschutz: Dorothee Hildebrandt stammt aus Kassel, mittlerweile lebt sie in Schweden. Von dort ist sie mit dem Rad zur Klimakonferenz nach Ägypten gefahren. © privat/nh

„Ich habe ihn gefragt, warum man hier nicht auf der Straße demonstrieren darf, weil in Glasgow war es ja friedlich.“ Al-Sisi habe geantwortet, das dürfe „jedermann“ überall im Land. „Da dachte ich, naja, das passt ja nicht zu dem, was ich gelesen habe. Vielleicht weiß er es nicht besser.“

Die laufende Klimakonferenz, bei der sich Vertreter von knapp 200 Staaten auf gemeinsame Schritte gegen die Erderwärmung verständigen, sei ihrem Eindruck nach im Wesentlichen „eine Art Lobbying“, sagte Hildebrandt. „Man will zeigen, wie gut man ist.“ Im Streit um die Finanzierung von Klimaschäden in ärmeren Ländern müssten reiche Staaten in Europa sowie die USA aber „endlich mal ihren Hintern hochkriegen“, sagte Hildebrandt, die vier Kinder hat und zweifache Großmutter ist. „Wir verschmutzen alles und die armen Leute kriegen die Dürre, die Überschwemmungen. Und dann helfen wir noch nicht mal.“

Großes Medieninteresse an Klimakonferenz-Tour überrascht gebürtige Kasselerin

Dass ihre Radtour auf so großes Medieninteresse trifft, hat Dorothee Hildebrandt dann doch überrascht. Das Treffen mit dem ägyptischen Präsidenten habe vermutlich viel dazu beigetragen. Aber auch in Glasgow sei sie schon von Reportern interviewt worden.

Nach der Klimakonferenz, zu der die ägyptische Regierung ihr dann einen Zugangspass verschaffte, will Hildebrandt etwas Urlaub machen – und dann „mindestens 8000 Kilometer zurückfahren“. Weil sie jetzt mehr Zeit hat, will sie allerdings eine andere Tour fahren. Ob sie vielleicht auch in ihrer früheren Heimat Kassel einen Zwischenstopp einlegt? Vielleicht. Das Gebiet um Kassel herum sei doch „ziemlich bergig“.

In Kassel, das sie 1978 der Liebe wegen verlassen hat, ist Dorothee Hildebrandt noch gelegentlich. Ihre drei Brüder und Cousins und Cousinen leben noch hier. Auch zum Ehemaligentreffen ihres Abiturjahrgangs war sie zuletzt in Nordhessen. (kme/dpa)

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