Unternehmen hat Servicebereich deutlich vergrößert

Nach Fusion: Kasseler Bombardier-Werk heißt jetzt Alstom

Im Kasseler Alstom-Werk wird mit dem Zweiwegefahrzeug Easy Mover eine Lok rangiert.
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Emissionsfrei und per Fernbedienung: Pascal Krause (von links), Cedric Morin und Yannic Reichardt rangieren mit dem Zweiwegefahrzeug Easy Mover die erste Lok, die in der neuen Taktstraße revisioniert wurde.

Alstom statt Bombardier: Nach der Fusion der beiden Zughersteller (siehe Hintergrund) trägt das Kasseler Werk seit Kurzem einen neuen Namen.

Kassel – Verändert hat sich auch der Servicebereich am Standort. Seine Fläche ist von 2000 auf 4000 Quadratmeter gewachsen und somit verdoppelt worden. In dem Bereich werden Arbeiten an bereits in Betrieb befindlichen Loks wie Instandhaltung, Unfallreparaturen, Rädertausch und Modernisierung durchgeführt.

Auf der erweiterten Fläche ist jetzt eine Revisions-Taktstraße eingerichtet worden. Dort werden die Loks zunächst „auf Herz und Nieren“ geprüft, um zu sehen, was genau bei der Revision zu tun ist. Dann werden standardmäßig die Drehgestelle, aber auch weitere Teile der Lok demontiert und aufgearbeitet beziehungsweise zur Aufarbeitung verschickt. Die aufgearbeiteten Teile werden wieder eingebaut, der Lokkasten erneut auf das Drehgestell aufgesetzt. Nach der erneuten Inbetriebsetzung ist die Lok dann bereit für den erneuten Einsatz.

„Durch die Taktstraße kann die Durchlaufzeit für die Revision drastisch verkürzt werden“ erläutert Götz Nink, Leiter Lokomotiv-Service für Benelux, Zentralosteuropa und Frankreich. So dauert die Revision 1 nach acht Jahren oder 1,2 Millionen Kilometer künftig statt 20 nur noch 15 Tage und die Revision 2 nach 16 Jahren oder 2,4 Millionen Kilometer statt 25 noch 20 Tage.

„Die Einrichtung einer solchen Taktstraße lohnt sich, weil momentan eine große ,Revisionswelle‘ auf dem Markt läuft“, sagt Götz Nink. Viele der in Kassel gebauten Traxx-Lokomotiven seien jetzt um die acht beziehungsweise 16 Jahre alt. Damit sei die entsprechend große Instandhaltung fällig. Die Revisionen verteilten sich aber mehr und mehr. „Die Kunden streuen sie im Rahmen des Möglichen über einen längeren Zeitraum, wie es bei ihnen am besten ins Geschäftsmodell hineinpasst.“ Die Auslastung durch Revisionen am Kasseler Standort sei in der Folge nicht punktuell, sondern regelmäßig.

Mit der neuen Taktstraße steigt die Kapazität des Servicebereichs, dessen Umsatz rund zehn Prozent des Gesamtumsatzes des Kasseler Werks ausmacht. „Während im Jahr 2020 insgesamt elf Lokomotiven revisioniert wurden, stehen für das Jahr 2021 bis jetzt bereits 34 fest beauftragte Lokomotiven zur Revision in den Auftragsbüchern. Und es gibt noch Kapazitäten für weitere“, so Nink. 20 Mitarbeiter sind im Servicebereich inzwischen beschäftigt, elf mehr als vor der Erweiterung. „Bei Produktionsspitzen kann zusätzlich mit Mitarbeitern aus dem Neubau unterstützt werden.“

Auch in die Digitalisierung investiert das Unternehmen. Etwa in der Produktion, wo Handbücher und technische Zeichnungen den Mitarbeitern künftig auf Tablets oder großen Monitoren zur Verfügung stehen. Die digitalen Handbücher enthalten laut Alstom deutlich mehr Informationen als die in Papierform und beschreiben beispielsweise detailliert einzelne Arbeitsschritte an einer Lok.

Auch „denkende Werkzeuge“ – sogenannte Smart Tools – kommen künftig zum Einsatz. Sie erfordern weniger Kraft und kontrollieren sowie dokumentieren die absolvierten Arbeitsschritte automatisch. Und mit der Augmented-Reality-Brille, einer Videobrille, schlägt Alstom eine virtuelle Brücke zwischen Menschen, die sich an unterschiedlichen Orten befinden, sei es intern zwischen Kollegen oder extern etwa mit Kunden oder Behörden. (Nicole Schippers)

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