600 legten Arbeit bei der KVG nieder

Kassel: Stau und genervte Autofahrer - doch einer profitiert vom Warnstreik

Stau auf der Frankfurter Straße
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Der Warnstreik von Verdi führte auch auf der Frankfurter Straße in Kassel zu Stau.

Erhebliche Staus im Stadtgebiet und genervte Autofahrer waren Resultate des Warnstreiks bei der KVG in Kassel am Dienstag (29.09.2020). Es gab aber auch einen Gewinner.

Weil Straßenbahnen und städtische Busse nicht fuhren, waren viele Pendler aufs Auto umgestiegen, Schüler ließen sich von Eltern fahren. Auf verstopften Hauptverkehrsadern wie Leipziger und Frankfurter Straße ging es nur mühsam voran. Größere Zwischenfälle im Berufsverkehr gab es nach Angaben der Polizei aber nicht.

Von der Situation erheblich profitiert hat der Elektro-Tretroller-Anbieter Skooty, der erst seit ein paar Tagen in Kassel aktiv ist. Alle 200 im Stadtgebiet aufgestellten E-Scooter seien am Dienstag praktisch pausenlos im Ausleih-Einsatz gewesen, sagte ein Firmensprecher. 17 Mitarbeiter der Firma fuhren gestern vorwiegend per Rad durch die Stadt, um erschöpfte Roller-Akkus auszutauschen. Häufig kamen sie zu spät, so der Sprecher: Die Skootys, die niedrigen Batteriestand gemeldet hatten, waren schon wieder mit neuen Ausleihkunden unterwegs –so lange, bis sie sich mangels Strom gar nicht mehr per Handy freischalten ließen.

Hauptsächlich in der Nähe von Haltestellen hätten die Menschen zum Skooty gegriffen, teilte die Firma mit Blick auf ihre Nutzungsdaten mit. Es habe am Dienstag auch Menschen gegeben, die mit einem der E-Scooter von Kaufungen bis zum Kasseler Rathaus gefahren sind.

Zudem sei aus den Daten zu erkennen, dass „auffällig viele“ Skooty-Touren später wieder am Ausgangsort der Entleihe geendet hätten. „Das sind dann keine Spaßfahrten, da werden offenbar Wege erledigt“, sagte der Firmensprecher mit Bezug auf kritische Stimmen, nach denen die neuen grünen E-Roller nicht ernsthaft als Verkehrsmittel genutzt würden. Dass die Akzeptanz der Skootys jetzt auf breiter Front befördert werde, sei für die Verleihfirma ein willkommener Nebeneffekt des KVG-Streiks.

Auf den Streik hatten sich die Fahrgäste also gut eingestellt. Das bestätigt auch KVG-Pressesprecherin Heidi Hamdad. „Es hat sich ausgezahlt, dass wir frühzeitig informiert haben“, sagt sie. Man habe keine Mengen an Anrufen registriert.

Von einem reibungslosen Ablauf sprach auch Axel Gerland, Verdi-Bezirksgeschäftsführer für Nordhessen. 600 Streikende seien dem Aufruf der Gewerkschaft bei der KVG gefolgt. „Vom Gefühl her war es allerdings anders als sonst, da es coronabedingt keine gemeinsame Demo gab.“ (Axel Schwarz und Marie Klement)

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