Behandlung in Kassel 

Mit dem Schmerz umgehen: Judith Gries leidet an Morbus Sudeck

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Leidet an Morbus Sudeck: Judith Gries ist wegen ihrer Krankheit, die sich durch starke Schmerzen nach einer Operation am Handgelenk äußert, bei Dr. Andreas Böger, Leiter des Schmerzzentrums Kassel an den DRK-Kliniken, in Behandlung. 

Judith Gries leidet an dem Schmerzsyndrom Morbus Sudeck.  Die 63-Jährige aus Aschaffenburg kann seit einer OP ihre rechte Hand nicht richtig bewegen, hat ständig Schmerzen. Judith Gries wird seither im Schmerzzentrum Kassel behandelt. 

Ein einfacher Händedruck hätte Judith Gries noch bis vor wenigen Wochen starke Schmerzen bereitet. Seit einer Operation am Handgelenk nach einem Sturz im Januar, bei dem sie sich eine Fraktur zuzog, leidet die 63-Jährige an einem komplexen regionalen Schmerzsyndrom (CRPS), Morbus Sudeck.

"Meine Hand fühlt sich fremd an"

Judith Gries kann ihre rechte Hand nicht richtig bewegen, die Feinmotorik ist verschwunden. „Eine Nadel kann ich zum Beispiel nicht mehr aufheben“, sagt sie. „Ich hatte immer eine schöne Handschrift. Nun ist es nur noch Gekritzel. Meine Hand fühlt sich fremd an.“

Dabei gehe es ihr heute schon viel besser, eine Therapie im Schmerzzentrum Kassel an den DRK-Kliniken habe ihre Schmerzen stark reduziert, Schmerzmittel nimmt sie nur noch ein, wenn es gar nicht mehr geht.

Krankheit blieb lange unentdeckt

„Morbus Sudeck ist eine Krankheit, die gar nicht so selten ist, die aber häufig von behandelnden Ärzten nicht erkannt wird“, sagt Dr. Andreas Böger, Leiter des Schmerzzentrums Kassel. Dort werden jährlich etwa 400 Patienten aus ganz Deutschland behandelt. Die Krankheit trete meist nach einer OP oder einem Trauma auf, so Böger, in sehr seltenen Fällen auch spontan.

Auch bei Judith Gries ließen die Schmerzen nach der OP nicht nach, sofort schwill ihre Hand an, die Schwellungen nahmen nicht ab. „Das Kuriose ist, dass ich Schmerzen in der Hand und den Fingern habe, aber operiert wurde ich unterhalb des Handgelenks“, sagt sie. Die 63-Jährige aus Aschaffenburg suchte Ärzte und Unfallchirurgen auf. Morbus Sudeck blieb jedoch unentdeckt.

Nach der Operation blieb Judith Gries’ rechte Hand wochenlang stark geschwollen. 

Erst eine Krankengymnastin habe sie auf die Krankheit hingewiesen. Aber auch bis dahin seien wieder Wochen vergangen, da es nicht leicht sei, schnell Termine für Krankengymnastik und Ergotherapie zu bekommen. „Ich wünsche mir, dass Ärzte auf Morbus Sudeck eingehen, damit die Krankheit schneller entdeckt und Patienten schneller geholfen werden kann.“

Geholfen hat die sogenannte Spiegeltherapie

Genau das sei aber wichtig, sagt Böger. Bei den meisten Patienten, wie auch bei Gries, helfe die sogenannte Multimodale Schmerztherapie. Diese Behandlungsmethode, bei der medizinische, physiotherapeutische und psychologische Fachdisziplinen einbezogen werden, sei die effektivste, so Böger. Ziel sei es, die Schmerzen zu lindern und dem Patienten Möglichkeiten zu zeigen, mit dem Schmerz umzugehen.

Auch Judith Gries kommt nun besser mit dem Schmerz zurecht. Zwar ist ihre Hand morgens steif und geschwollen, im Laufe des Tages werde das aber besser. Fünfmal täglich mache sie dafür Übungen, besonders geholfen habe die Spiegeltherapie, sagt sie.

„Wichtig ist, die Hand trotz Schmerz zu belasten. Irgendwann tut es weniger mehr weh, auch wenn meine Hand nie mehr ganz gut wird“, sagt sie.

Chronische Schmerzen

Dauern Schmerzen länger als drei Monate an, sprechen Experten von chronischem Schmerz. Davon ist Schätzungen zufolge jeder Fünfte in Deutschland betroffen. Bei Schmerzbeschwerden können sowohl körperliche als auch psychische Faktoren eine Rolle spielen. Im Schmerzzentrum Kassel an den DRK-Kliniken arbeite man daher interdisziplinär, so der Leiter Dr. Andreas Böger. 

Zwei Drittel aller Patienten, die dort behandelt werden, leiden laut Böger an Schmerzen im Bewegungsapparat wie Rückenschmerzen, ein Drittel an Kopfschmerzen, wie Migräne.

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