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Der Chef von sieben Autohäusern ist Sozialpädagoge

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Von: Claudia Feser

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Autohaus-Chef Reinhard Ostmann mit einer Tasse Kaffee in einem seiner Autohäuser
Kaffee statt Mittagessen: Reinhard Ostmann ist Chef der sieben Ostmann-Autohäuser in Nordhessen. Er ist Vertragshändler unter anderem für VW und Audi. © Claudia Feser

Reinhard Ostmann konnte schon Auto fahren, da war er noch lange keine 18. Der heutige Chef von sieben Autohäusern in Nordhessen hat schon früh die Autos auf dem Hof seines Vaters rangiert. Denn sein Vater Kurt Ostmann war Kfz-Meister und hatte 1959 ein Autohaus samt VW-Servicewerkstatt in Wolfhagen gegründet.

Wolfhagen – In der Werkstatt war Reinhard Ostmann selten.. Er war einziger Sohn seiner Eltern, studierte aber nach dem Abi lieber Sozialpädagogik an der Freien Universität in Berlin.

„Das war für mich wichtig, um meine eigene Unabhängigkeit zu haben“, sagt der heute 65-Jährige. Er hat bereits als Jugendlicher gerne mit Menschen gearbeitet, hat im CVJM in Wolfhagen Jugendliche begleitet bei ihren Fragen, was Glaube ist und welche Werte im Leben wichtig sind. Und er hat Discos im Gemeindezentrum organisiert. Während des Studiums fuhr er mit Jugendlichen aus sozialschwachen Verhältnissen auf Freizeiten.

An der Uni lernte Reinhard Ostmann die Kommilitonin Wiltrud kennen. Nach Diplom und Heirat stiegen beide in das Geschäft von Kurt Ostmann mit ein. Es sei kein Zwang vonseiten seiner Eltern gewesen, betont Reinhard Ostmann, „es war extrem wichtig für mich, dass ich aus eigenen Stücken ins Geschäft eingestiegen bin.“

Das war Anfang der 1980er-Jahre, und das Autohaus Ostmann hatte damals 35 Mitarbeiter. Heute sind es 380 Mitarbeiter und sieben Autohäuser und Werkstätten unter Reinhard Ostmanns Führung: in Bad Arolsen, Fritzlar, Hofgeismar, Melsungen, Niestetal, Schwalmstadt und Wolfhagen. Das seien viele Standorte in einem begrenzten Gebiet, was die Servicenähe und den Kontakt zu den Kunden sichere, sagt der Chef.

Sein soziales Gespür für Menschen komme ihm im Umgang mit Mitarbeitern und Kunden zugute: „Menschen verstehen und führen zu können, ist wichtiger als eine betriebswirtschaftliche Ausbildung.“ Das Fachwissen könne man lernen, das Gespür nicht. Reinhard Ostmann besuchte nach dem Sozialpädagogik-Diplom mit seiner Frau eine einjährige betriebswirtschaftliche Fachschule in Stuttgart, eine Ausbildung bei VW zum Geschäftsführer folgte. Der Übergang ins Unternehmen sei fließend gewesen: „Einer hört auf, ein anderer übernimmt – die Veränderung muss passieren, ohne dass es einer merkt“, sagt Ostmann.

Der 65-Jährige sitzt in seinem Büro in der schicken Audi-Verkaufshalle in Wolfhagen. Vor ihm sein Computer, zuhause hat er keinen PC. Er besitzt auch kein Handy, sondern arbeitet mit Telefon, Fax und E-Mail. Auf dem aufgeräumten Schreibtisch steht eine Tasse Kaffee aus dem Jura-Vollautomaten, der in der Bistroküche der Verkaufshalle steht. Eine feste Mittagspause macht der Chef nicht. Warum? „Wir machen das wie im Studium“, sagt Reinhard Ostmann. Irgendwann mittags fahre er die anderthalb Kilometer zu sich nach Hause, um mit seiner Frau „ein Brot zu essen und einen Kaffee zu trinken“. Wenn die beiden warm essen, dann eher abends.

Kinder hat das Ehepaar nicht, aber die Zukunft des Autohauses sei gesichert. Vor zwei Jahren wurde hierzu die Ostmann-Stiftung gegründet. Stiftungszweck: die Unterstützung alter Menschen, die in Not geraten sind. Die Autohäuser werden nach der Schenkung Teil der Stiftung. Bei Eintritt in den Ruhestand will Ostmann dem Beirat der Stiftung angehören. Das Autohaus soll dann von zwei Geschäftsführern geführt werden, die von der Stiftung beaufsichtigt werden. „Das ist für die Mitarbeiter die bessere Lösung als ein Verkauf an ein anderes Autohaus.“

Die Gesellschaft verändere sich, und ein Autohaus verändere sich mit. Beispiel Gebrauchtwagenverkauf – das sei mittlerweile ein reines Onlinegeschäft. Früher fuhren die Kunden von Autohaus zu Autohaus, schrieben Preise auf, um sie zu vergleichen. „Das ist heute nicht mehr so.“ Fünf Prozent der Autos würden ins europäische Ausland verkauft.

Sein Lieblingsauto war lange Zeit ein Audi S4 mit 250 PS. Die schnellen Zeiten seien mittlerweile vorbei, sagt Ostmann. Welches Auto fährt er aktuell? „Das, was in der Firma frei ist – ich habe noch nie ein eigenes Auto gehabt.“ Das wird sich bald ändern: Reinhard Ostmann hat sich einen Octavia Combi Scout bestellt. (Claudia Feser)

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