Corona hat Start erschwert

Tief in die Augen geschaut: Felix Treumer ist Chefarzt der Augenklinik im Klinikum

Seit gut einem Jahr Chefarzt im Klinikum: Prof. Dr. Felix Treumer, der von Kiel nach Kassel kam, leitet die Klinik für Augenheilkunde.
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Seit gut einem Jahr Chefarzt im Klinikum: Prof. Dr. Felix Treumer, der von Kiel nach Kassel kam, leitet die Klinik für Augenheilkunde.

Seit gut einem Jahr leitet Prof. Dr. Felix Treumer die Augenklinik am Klinikum in Kassel. Für seinen Job brauche er eine ruhige Hand, außerdem freut er sich über eine nagelneue Ausstattung.

Kassel – Wenn Prof. Dr. Felix Treumer über seinen Beruf spricht, leuchten seine Augen. Passenderweise. Denn der 46-Jährige ist Augenarzt. Seit gut einem Jahr leitet er die Klinik für Augenheilkunde im Klinikum Kassel. Corona habe den Start zwar ein wenig erschwert, aber er sei herzlich aufgenommen worden, „ich habe mich prima eingelebt“, sagt der Mann aus dem hohen Norden.

Damit meint Treumer das berufliche, aber auch das private Umfeld. Seine Frau und seine drei Kinder fühlen sich ebenfalls wohl in Nordhessen. Den Ruf, der den Kasselern vorauseile, mürrisch und wortkarg zu sein, könne er überhaupt nicht bestätigen. „Aber vielleicht liegt es auch daran, dass wir Norddeutschen den Mund auch nicht so aufkriegen“, sagt er und muss lachen.

Der Mediziner stammt aus Flensburg, über Rostock landet er zum Studieren in Kiel. In der dortigen Uni-Augenklinik arbeitet er 17 Jahre, zuletzt als leitender Oberarzt, bevor ihn die Chefarzt-Stelle am Kasseler Möncheberg reizt. Wie es sich für ein Nordlicht gehört, entwickelt er früh eine Leidenschaft für Wassersport. Surfen, Kitesurfen. Weil dafür in der neuen Heimat nicht gerade optimale Bedingungen herrschen, will er sich nun anderen Hobbys widmen, dem Segel- und Drachenfliegen. Über Gitarrenunterricht denkt er ebenfalls nach.

An mangelnder Fingerfertigkeit sollte das Musizieren nicht scheitern. Für Operationen am Auge „benötigt man eine ruhige Hand“, sagt Treumer. Es komme auf höchste Präzision an. Er spricht von Liebe zum Detail, die für den Job nötig sei. Kein Wunder. Bei einem Eingriff werden winzige Schnitte mit einem Durchmesser von 0,4 Millimetern gemacht. In die Schnitte kommen Trokare, und durch diese Hülsen führt der Arzt seine Instrumente wie Mikro-Pinzetten ins Auge ein. Treumer sagt: „Oft brauchst du auch Geduld, wenn sich mal eine störende Membran nicht sofort abziehen lässt.“

Allein die Vorstellung, dass jemand am und im eigenen Auge herumfummelt, mag bei Laien schon ein unangenehmes Gefühl auslösen. Der Fachmann gerät ins Schwärmen. Treumer bezeichnet seine Disziplin als ästhetisch. Obwohl oder gerade weil der Großvater und Vater ebenfalls Augenärzte waren, hat der junge Felix Treumer zunächst andere Pläne. Mit einem Augenzwinkern sagt er rückblickend: „Eigentlich wollte ich erst richtiger Arzt werden.“ Chirurg, Internist. Leben retten.

Ein Praktikum in der Augenklinik stimmt ihn um. Danach ist er Feuer und Flamme, der Student ist fasziniert von den 3D-Effekten, von den zu erkennenden Schichten, aus denen das Sehorgan besteht. Augen seien Ausstülpungen des Gehirns, erklärt er: „In unserer Disziplin können wir direkt aufs Gehirn gucken.“ Treumer tritt dann doch in Opas und Papas Fußstapfen.

Und die führen ihn schließlich nach Nordhessen. Alle seien gespannt gewesen, wer da um die Ecke kommt, beschreibt er seinen Einstieg im Klinikum. Er lege Wert auf exzellente medizinische Versorgung und ehrliche menschliche Fürsorge. In der Klinik für Augenheilkunde werde das gesamte Spektrum angeboten: planbare und akute Fälle, von Routine-Eingriffen gegen den Grauen Star bis hin zu komplexen Netzhaut-Operationen.

Pro Tag kämen allein 70 Patienten in die Ambulanz, mehrere 1000 Menschen würden in der Augenklinik im Jahr behandelt, 5000 Injektionen, mehr als 100 Eingriffe an der Netzhaut, weit mehr als 1000 Linsen-Operationen – „es ging sofort richtig los“, sagt Treumer über sein erstes Jahr in Kassel. (Robin Lipke)

Neue Ausstattung

Die Augenklinik des Kasseler Klinikums hat im vergangenen Jahr eine neue Ausstattung für die drei Operationssäle bekommen. Chefarzt Prof. Dr. Felix Treumer schwärmt vor allem von drei „modernen 3D-Mikroskopen, die uns die Arbeit beim Operieren enorm erleichtern“. Laut Treumer gibt es in Deutschland nur wenige Häuser, die diese Geräte einsetzen. Das Kasseler Krankenhaus sei darüber hinaus das einzige, das drei dieser Systeme zur Verfügung hat.

Mithilfe dieser neuen Technik muss der Operateur nicht mehr durch Okulare gucken, sondern sieht den Eingriff auf einem Bildschirm. Digitale Daten können eingespielt werden. So sieht der Arzt, der während des Eingriffs eine 3D-Brille trägt, wo und auf welcher Achse eine Linse genau eingesetzt werden muss. Nicht zuletzt ist das Auge des Patienten weniger Lichtbelastung ausgesetzt.

Treumer freut sich zudem über drei OP-Maschinen, die noch sanftere und effektivere Eingriffe ermöglichen, zum Beispiel an der Netzhaut und das Operieren des Grauen Stars. Die Investitionen kosteten einen Geldbetrag in siebenstelliger Höhe. 

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