Retter berichten

„Man funktioniert einfach“: Mitarbeiter der Stadt Kassel retten Ertrinkenden aus Fulda

Wurden zu Lebensrettern: Thomas Bach und Natalia Druker, Mitarbeiter Stadt Kassel, haben einen Mann aus der Fulda gezogen.
+
Wurden zu Lebensrettern: Thomas Bach und Natalia Druker, Mitarbeiter Stadt Kassel, haben einen Mann aus der Fulda gezogen.

In Kassel kommt es zu einem tragischen Vorfall. Ein Mann droht in der Fulda zu ertrinken. Zwei Mitarbeiter der Stadt retten den Ertrinkenden.

Kassel – Man kann ungewollt und ungeplant zum Held werden, wenn man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist und dann das Richtige tut: Thomas Bach und Natalia Druker ist das so ergangen. Die beiden Mitarbeiter der Stadt Kassel haben einen Ertrinkenden in letzter Minute aus der Fulda gerettet – während eines Spaziergangs in ihrer Mittagspause, den sie so schnell nicht vergessen werden.

Doch der Reihe nach: An einem schönen Sommertag nutzen die beiden Mitarbeiter des Service-Centers der Stadt Kassel in der Unterneustadt ihre Mittagspause zu einem entspannenden Rundgang an der Fulda. Bach geht hier häufiger spazieren, ihm gefällt das Ambiente am Fluss. Auf dem Rückweg bemerkt Bach in Höhe der Schlagd aus den Augenwinkeln etwas im Wasser. „Da war irgendetwas undefinierbares“, erzählt er später.

Mann gerät in Kassel in Notlage: Retter ziehen ihn aus der Fulda

Der 56-jährige Kasselaner schaut genauer hin und sieht wenige Meter entfernt einen Körper in der Fulda unterhalb der Walter-Lübcke-Brücke bäuchlings treiben, nur der Haarschopf ragt heraus. Bach reißt sich die Jacke vom Oberkörper, zieht die Schuhe aus und springt in den Fluss. „Das war eine Entscheidung von einer Zehntelsekunde. Ich hatte genügend Adrenalin im Blut“, sagt Bach, der sich als guten Schwimmer bezeichnet.

Über die Gründe, warum der Ertrinkende in diese Notlage geraten war, macht er sich keine Gedanken. Kurz darauf erreicht er sein Ziel. „Da war schon der ganze Körper unter Wasser“, berichtet Bach. Er drückt den Kopf des Bewusstlosen nach oben, packt einen Arm und ein Bein und schleppt ihn in Seitenlage bis zur Kaimauer.

Seine Kollegin, eine 46-jährige kleine, zierliche Frau, die in Russland geboren ist, wählt sofort mit ihrem Handy den Notruf und beschreibt den Rettungskräften den Unfallort. Dann spricht sie zwei Frauen und einen jungen Mann an, die gerade vorbeikommen. Eine der Frauen springt ins Wasser. Gemeinsam versuchen sie, den Geretteten auf die Kaimauer zu ziehen, was misslingt. „Er war kein Leichtgewicht – auch wegen seiner durchnässten Kleidung“, sagt Bach.

Nach Vorfall in Kassel: Geretteter kann wiederbelebt werden

Der Mann fängt an zu atmen, als Bach mit ihm an der Kaimauer anlangt, ist aber nicht ansprechbar. „Da waren wir sehr erleichtert“, sagt Druker. Bach zieht ihn auf einen Steinvorsprung vor der Mauer. „Wir hatten keine Panik, in diesem Moment funktioniert man einfach“, sagt Natalia Druker. Die Gefühle seien erst später gekommen. „Am schlimmsten war es, auf die Rettungskräfte warten zu müssen. Es schien, als sei die Zeit stehen geblieben“, erklärt sie.

Alles auf einen Blick

Mit dem HNA-Newsletter Kassel nichts mehr aus der Region verpassen

Am Ende geht alles gut aus. Der Gerettete kann wiederbelebt werden. Jetzt fangen seine Retter an, das Erlebte zu verarbeiten. Gespräche würden helfen, sagt Bach. Beide haben viel Lob von ihren Vorgesetzten, dem Oberbürgermeister, ihren Verwandten und Freunden erhalten. „Ich bin aber kein tapferer Mensch, eher besonnen“, sagt Bach, der eine Ersthelfer-Ausbildung gemacht hat. Doch es sei wichtig, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen, nicht wegzusehen und – im Rahmen seiner Möglichkeiten – anderen in einer Notlage zu helfen. (Peter Dilling)

In einem anderen Fall aus Hann.Münden gibt es leider traurige Nachrichten: Ein Mann war dort in den Fluss gefallen und spurlos verschwunden - die Polizei hat die Suche eingestellt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.