Verdi: Das ist ein Riesenskandal

Mitarbeiter Kasseler Krankenhäuser protestierten gegen Personalmangel

Forderten mehr Personal in den Krankenhäusern: Rund 400 Klinikum-Mitarbeiter demonstrierten gestern vor dem Haupteingang. Foto: Heise-Thonicke

Es war ein eindrucksvolles Bild und eines, das aufrütteln soll: 400 Mitarbeiter des Kasseler Klinikums beteiligten sich an einer bundesweiten Protestkette, um auf die Personalknappheit in Krankenhäusern aufmerksam zu machen.

Jede Ziffer, die dabei in die Höhe gehalten wurde, steht für einen fehlenden Arbeitsplatz. Allein am Klinikum Kassel fehlen nach einer Berechnung von Verdi danach 403 Arbeitsplätze im gesamten Krankenhaus. „An den 27 Krankenhäusern in Nordhessen fehlen insgesamt 1800 Stellen“, sagt Verdi-Gewerkschaftssekretärin Heike Grau. „Es darf nicht sein, dass Menschen, die sich um die Gesundheit anderer kümmern, krank werden durch eine hohe Arbeitsbelastung.“

Die Arbeit sei trotz Überstunden und hoher Einsatzbereitschaft nicht zu schaffen, rief der Verdi-Vertrauenssprecher am Klinikum, Klaus Weuffen, seinen Kollegen zu. Das neue Krankenhausstrukturgesetz gebe keine Antworten auf drängende Fragen. Danach würden am Klinikum Kassel gerade einmal vier bis fünf Stellen gefördert, rechnete Weuffen vor. „Das ist ein Riesenskandal.“

„Wir haben Verständnis für die Aktion und kritisieren selbst seit Jahren die Unterfinanzierung der Krankenhäuser“, sagt Birgit Dilchert, Personalvorstand der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH). Das Unternehmen habe seine Hausaufgaben gemacht, und die GNH-Bediensteten leisteten einen enormen Beitrag zum Unternehmenserfolg, betonte sie. So sei der Umsatz pro Vollzeitkraft im Zeitraum 2009 bis 2014 um über 20 Prozent von 96.350 Euro auf 117.200 Euro gestiegen. Eine weitere Arbeitsverdichtung sei nicht zumutbar.

Protestaktionen gab es auch an der Vitos Orthopädischen Klinik, wo die Mitarbeiter den Personalbedarf auf 60 Stellen bezifferten, sowie an der Paracelsus-Elena-Klinik mit einem von Verdi errechneten Bedarf von 40 Stellen.

Mit dieser bundesweiten Protestaktion wollte Verdi auf die Personalknappheit an deutschen Krankenhäusern aufmerksam machen. Laut Gewerkschaft fehlen bundesweit 162.000 Vollzeitstellen, davon allein 70.000 in der Pflege.

Ziel ist es, die gestern in Bad Dürkheim tagenden Gesundheitsminister des Bundes und der Länder zu einer gesetzlichen Regelung der Personalausstattung zu bewegen. (hei/dpa)

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