Frauke Stehl leitet diesen Sommer zum vierten Mal den Aufsichtsdienst der documenta

Mitarbeiter aus 35 Nationen

Kassel. Dass Frauke Stehl die Kabarettistin Frieda Braun immer wieder für stets ausverkaufte Auftritte in Kassel verpflichtet, findet die 49-Jährige charakteristisch für ihren Werdegang: „So ist mein ganzes Leben. Die Dinge entwickeln sich.“ Das Programm der Sauerländerin Braun, die im richtigen Leben Karin Berkenkopf heißt, hatte sie zufällig gesehen, „da habe ich Blut geleckt“. Seit 2009 hat sie Spaß daran, Kabarett zu organisieren, junge Talente zu entdecken, auf ihrem Weg zu begleiten.

Zurzeit organisiert Stehl die Aufsichten der documenta 13. Die gebürtige Kasselerin sagt, sie gehe mit offenen Augen durchs Leben und ergreife die Chancen, die sich bieten. Seit 2000 betreibt sie die Veranstaltungsagentur events & medien.

Stehl ist keine Anfängerin bei der documenta, sie weiß, was auf sie zukommt: Bewerbungen sichten, das gesamte Aufsichtspersonal einstellen und schulen. Sie muss ein Gespür dafür haben, wer ins Team passt. Die Hälfte der 700 bis 750 Mitarbeiter ist schon engagiert: Aus 35 Nationen kommen sie, zumeist Studenten und Rentner, zwischen 18 und 68 Jahren alt. Sie muss Teamleiter bestimmen, die wöchentlich 2000 Schichten disponieren und auf die diesmal ungewöhnlich vielen Standorte verteilen.

Nach der Eröffnung am 9. Juni wird gegebenenfalls nachjustiert, je nachdem, wie bewachungsintensiv die Standorte sind. Sie sei kein Typ, der hadert und grübelt, wie Fehler passieren konnten: „Probleme gibt es nicht, die hat man zu lösen.“

Auch den Aufsichten will sie vermitteln, dass es sich mit einem Lächeln leichter arbeitet. Die Aufsichten sollen freundlich Fragen beantworten (zum Beispiel nach Toiletten, nach Standorten und Materialien eines Kunstwerks), aber nicht die Kunst erklären. Und bloß nicht ihre Aufsichtspflicht vernachlässigen. Bei Warteschlangen werden sich die Teamleiter informieren, wo weniger Zustrom ist, und entsprechende Tipps an Besucher geben.

Bei aller Routine gilt: „Jede Ausstellung ist anders.“ Weil sich die documenta jedes Mal neu erfindet. Alle fünf Jahre hat Stehl in einem leeren Büro begonnen, wo sie vom Bleistiftspitzer bis zum Computer alles erst organisieren, sich ein komplettes Team zusammenstellen musste: Man fängt bei null an.“ Diesmal allerdings unterstützt sie zum zweiten Mal Natalie Ludolph als Assistentin. Und unter den Bewerbern sind Kinder oder Geschwister früherer Mitarbeiter.

Schon als Kind erlebte Stehl die Aufregung über Christos mit Luft aufgepustete „Wurst“ auf der Karlsaue, später faszinierte sie Beuys, der die „Volksseele zum Kochen gebracht hat“. Und bei der documenta 11, „da habe ich Richter für mich entdeckt“. „Kassel brodelt“, freut sich Stehl auch auf die documenta-Wochen 2012.

Von Mark-Christian von Busse

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