Kritik in Niederzwehren

Mitarbeiter der Stadt verewigte sich an Treppe

Im Märchenviertel verewigt: Die Namenstafel, die der Straßenmeister an der Treppenanlage in Niederzwehren anfertigen ließ, ist in Niederzwehren auf Kritik gestoßen. Foto:  Koch

Kassel. Dass bedeutende Architekten und Baumeister ihren Namen an herausragenden Bauwerken verewigen, ist eine uralte Tradition. Dass städtische Straßenmeister ihren Namen auf öffentliche Wege oder Treppen pflastern, ist hingegen eher ungewöhnlich - kommt in Kassel aber vor.

Und zwar im Märchenviertel in Niederzwehren.

Dort wurde im vergangenen Jahr mit Steuergeld (knapp 60 000 Euro) die Treppenanlage am Opferrain erneuert. Sandsteinstufen und Altstadtpflaster sorgen seitdem für ein Ambiente, das zu den liebevoll sanierten Fachwerkhäusern passt. Der Straßenmeister der Stadt Kassel, der für den Bau der durchaus gelungenen Treppenanlage zwischen den Straßen Am Fronhof und der Grunnelbachstraße verantwortlich gewesen ist, scheint von seiner eigenen Arbeit ziemlich begeistert zu sein.

Um für die Nachwelt zu hinterlassen, wer die Treppenanlage entworfen hat, ließ er eine Platte mit seinem Namen und dem Baujahr anfertigen. Diese wurde zwischen das Pflaster im unteren Teil der Treppenanlage gelegt.

Das sorgte in Niederzwehren für Kritik. Schon bevor die Treppe im Februar übergeben worden ist, gab es im Rathaus Beschwerden über das Vorgehen des Straßenmeisters. Einigen Verantwortlichen war die Sache dann wohl peinlich. Beim Fest zur Übergabe der Treppe wurde ein Tisch mit Getränken über die Tafel gestellt, um sie zu verdecken.

Nach Angaben von Hans-Jürgen Schweinsberg, Sprecher der Stadt, hat der Straßenmeister, der seit vielen Jahren für die Stadt arbeitet, den Stein mit seinem Namen selbst in Auftrag gegeben. „Er war wohl stolz auf das Ergebnis seiner Arbeit“, sagt Schweinsberg. Der Straßenbauer und Pflasterermeister sei auch für die Planung der Treppe verantwortlich gewesen.

Allerdings sei es in Kassel nicht üblich, dass städtische Mitarbeiter ihre Namen an Dingen hinterlassen, die sie während ihrer Arbeitszeit geschaffen haben. Aus diesem Grund sei der Straßenmeister aufgefordert worden, den Stein innerhalb der ersten Jahreshälfte 2012 wieder zu entfernen, sagt Schweinsberg. Mit dieser Regelung waren auch die Kritiker der Tafel einverstanden. Mittlerweile ist es August und der Straßenmeister immer noch im Pflaster verewigt. Das stößt auf Unverständnis in Niederzwehren.

Die Baufirma habe bislang noch keine Zeit gehabt, den Stein zu entfernen, sagt Schweinsberg. Im September werde die Platte aber nun definitiv entfernt. Der Stadt sei durch das eigenmächtige Handeln des Mitarbeiters kein finanzieller Schaden entstanden.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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